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Verrohen Kinder und Jugendliche durch brutale Medieninhalte? Zumindest prägen Bilder aus Kino und Fernsehen massiv ihre Fantasie. So lassen sich Jungen beim Weitererzählen einer Geschichte gerne von Computerspielen inspirieren, Mädchen bevorzugen dagegen romantische Seifenopern als Fantasie-Vorlage. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bonn.
Professor Dr. Volker Ladenthin von der Universität Bonnhat zusammen mit seinen Versuchsleiterinnen Jessica von Wülfing und Claudia Kamps untersucht, welche Bilder in den Köpfen von Heranwachsenden herumspuken. Dazu händigten sie Schülern den Anfang des Märchens "Die Königstochter im Zauberschloss" aus. Darin wird eine Prinzessin von einer Hexe gefangen genommen. Knapp 300 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 und 8 sollten dazu einen Schluss schreiben. Die Fantasien der Jungen und Mädchen unterschieden sich deutlich: So ließen Schüler ihre Märchen oft in wahren Blutorgien enden. Die Schülerinnen kamen bei der Befreiung der Prinzessin dagegen meist ohne Gewalt aus. Stattdessen nahmen sie gerne Anleihen an romantischen "Daily Soaps". "Unsere Studie kann und will nicht nach den Ursachen von konkreten Gewaltverbrechen jugendlicher Täter fragen", betont die Bonner Medienwissenschaftlerin Jessica von Wülfing. Das Experiment zeigt jedoch immerhin, wie sehr Bilder aus den Medien die Vorstellungswelt Heranwachsender prägen. "Das ist eine gefährliche Entwicklung", warnt Professor Ladenthin: "In der Jugend lernt man das Vokabular, mit dem man die Welt begreift. Wenn darin bestimmte Vokabeln fehlen - Mitgefühl, Liebe, aber auch Mitleid oder Schuld -, führt das zu Defiziten in der Wahrnehmung und in letzter Konsequenz auch im eigenen Verhalten." Sind die Jungen mit den brutalsten Märchen also allesamt potenzielle Gewalttäter? Sicherlich nicht, relativiert der Bonner Erziehungswissenschaftler. "Zumal nicht auszuschließen ist, dass die Schüler sich bei ihren Antworten durch eine besonders blutige Geschichte vor ihren Klassenkameraden profilieren wollten." Gefährlich werde es aber dann, wenn positive Alternativbilder fehlten. Aufgabe der Schule sei es daher, derartige Gegenbilder anzubieten. "Es gibt genügend Literatur, in denen die Charaktere differenzierte Probleme haben und sie auch differenziert lösen. Lehrer können aber derartige Texte aber nicht im husch-husch-Verfahren behandeln - sie brauchen Zeit dafür." Er empfiehlt Lehrern auch, das Experiment selber in ihrer eigenen Klasse zu wiederholen. Das Unterrichtsmaterial ist im Buch "Gewalt der Medien" enthalten, das zur Studie erschienen ist. "Medien mögen keine unmittelbaren Wirkungen haben", zieht Ladenthin ein warnendes Fazit. "Sie prägen aber massiv die Fantasie von Heranwachsenden und legen dadurch fest, in welchen Kategorien diese später handeln." |