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Thema: Tabuthema Autismus
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16.07.2010, 09:25 #16Aufstrebendes Mitglied
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Hallo!
Ich habe dieses Forum gefunden, nachdem ich Autismus und Schule gegoogelt habe.
Auch ich habe oft erlebt, dass Autismus wie ein Tabu behandelt wird und man nicht offen damit umgehen kann.
Erst einmal zu uns, ich habe 4 Kinder. Hannah, meine Tochter, ist 15 und hat neben ADS auch eine Lese-Rechtschreib- und eine Rechenschwäche. Alles drei hat bei uns in der Familie wohl auch eine erblichen Faktor. Jetzt im Nachhinein ist mir klar, dass ich eben falls daran “erkrankt” bin. Genauso wie meine Mutter und meine Schwester. Nur damals wurde auf so etwas noch keine Rücksicht genommen. Und ich finde auch heute noch hat man es schwer mit so einer Diagnose.
Jonathan, meiner älterer Sohn, ist 13. Während die “Probleme” seiner Schwester erst in der Schule deutlich wurden, waren bei Jonathan schon im Kindergartenalter Auffälligkeiten zu beobachten. Er spielte immer sehr zurückgezogen und für sich alleine. Kontakte zu Gleichaltrigen mied er. Dafür war er seinen Altersgenossen immer voraus. Mit 4 konnte er flüssig lesen, schreiben und im Zahlenraum bis 100 rechnen ohne Hilfsmittel zu verwenden. Es kam raus, dass er hochbegabt ist. IQ über 140. Daher wurden alle seine Probleme im Sozialverhalten darauf geschoben, dass er sich eben überlegen fühlte. Wir bekamen mit ihm aber immer mehr Probleme. Er ging grundlos auf seine Geschwister los, wenn sie ihm zu nahe kamen, war nicht in der Lage zu erkennen, wenn jemand wütend ist und legte einfach ein sehr aggressives und asoziales(im Sinne von nicht sozial) Verhalten an den Tag. Mit 8 wurde uns dann gesagt, dass er das Asperger Syndrom hat. Er nimmt jetzt Medikamente für die Schule und hat eine Klasse wiederholt, um ihm noch mehr Zeit zugeben. Von den Lehrern wurden wir nur wenig unterstützt. Einen hochbegabten Jungen wollten sie gerne, aber einen autistischen? Lieber nicht! Unsere Schule hat sie größte Mühe gegeben ihn loszuwerden. Wohin war erst einmal egal. Auch gegenüber anderen Eltern sollte ich diese “Sache”(ja so haben sie es genannt) nicht erwähnen. Das würde den Eltern nur Angst machen. Ich hielt es aber für wichtig, damit Lehrer, Eltern und natürlich auch die Schüler wissen wie sie auf Jonathan notfalls zu reagieren haben, damit er eben nicht “austickt”.
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16.07.2010, 13:45 #17
Hallo AnneBär,
freut mich wirklich riesig, daß Du auch hierhergefunden hast.
Wir gehen sehr offen mit Kays Diagnose um, da ich bisher nur gute Erfahrungen damit gemacht habe. Während uns die Nachbarn anfangs schräg angeguckt und wohl an unserer Erziehung gezweifelt haben, ist es jetzt, nachdem sie bescheid wissen, viel einfacher geworden. Auch in der Schule ist es bislang positiv aufgenommen worden. Kay wird jetzt viel öfter eingeladen oder bekommt Besuch von Schulfreunden.
Der Schuß kann natürlich auch nach hinten losgehen, aber ich denke auf solche Leute kann man dann auch verzichten.
Ist Dein Sohn jetzt noch auf der Schule oder habt Ihr inzwischen eine andere Lösung gefunden?
Das Abschieben kenne ich von Kay auch und bei ihm fing es schon in der Kindergartenzeit an. Obwohl wir eine Integrationskraft vom Bezirk bezahlt bekommen hätten, hat sich der Kindergarten geweigert Kay zu behalten.
Wir haben jetzt allerdings einen sehr guten Schulplatz in Aussicht und hoffen, daß er dort aufgenommen wird und daß es mit dem Schulbegleiter klappt.
LG v. Sanne
Jeder Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag!
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16.07.2010, 16:59 #18
@Sanne, dazu drücke ich euch die Daumen.
LG alusru
Lesen gefährdet die Dummheit
Forenagentin
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19.07.2010, 14:59 #19Aufstrebendes Mitglied
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Ich drück euch auch die Daumen, Sanne.
Jonathan geht inzwischen nicht mehr auf diese Schule. Allerdings nur, weil er das Klassenziel nicht erreicht hat. Mit anderen worten sitzengeblieben ist. Daran ist aber nicht seine Autismus, sondern seine Hochbegabung "Schuld". Wobei ja irgendwie auch beides zusammenhängt. Er sieht halt nicht ein sich anzustrengen, langweilt sich total und dann kommt man durch sein Asperger Syndrom auch noch schwer an ihn heran.
Ich bin auch immer realtiv offen mit dieser tatsache umgegangen. Inzwischen überlasse ich es natürlich Jonathan ob ich es irgendjemanden erzähle oder nicht. Schließlich ist er alt genug um so etwas selbst zu entschieden. Ihm ist es oft peinlich und gleichzeitig hat er so wenige gemeinsame Interessen mit Gleichaltrigen. Kontakte sind da sehr schwer. Er hat im Grunde nur einen wirklichen Freund. Dafür aber einen richtig guten.
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20.07.2010, 05:02 #20
Danke Euch.

Das freut mich für Jonathan, lieber nur einen richtigen Freund, als viele falsche. Kay hat noch keinen Freund, d.h. er besticht gerne mit Süßigkeiten oder Spielsachen, sind die Sachen aufgegessen oder das Spiel langweilig geworden, ist er auch wieder alleine.
LG v. Sanne
Jeder Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag!
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22.07.2010, 09:08 #21Aufstrebendes Mitglied
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Also als Jonathan so in dem Alter von Kay ar hat er sich gar nicht für andere Kinder interessiert. Schon im Kindergarten saß er immer nur alleine da und keiner durfte ihm zu nahe kommen.
Und was da inzwischen zwischen ihm und seinem besten Freund passiert ist, ist echt unglaublich. Andre ist für ihn der totale Ruhepol und Fixpunkt in der Schule geworden. Er ist auch einer der wenigen, die ihn auch in einer Streßsituation noch berühren dürfen. Eigentlich sonst nur sein Vater, ich und der Schulbegleiter. Andre ist inzwischen echt wichtig für unser Leben geworden. Da sehe ich auch darüber hinweg, dass ich ihn eigentlich für keinen guten Umgang halte. So als vorbestraften Schulschwänzer. Aber beide haben einen gegenseitigen guten Einfluss aufeinander. Jonathan wird ruhiger und Andre geht regelmäßig zur Schule
Wird Kay dieses Jahr eingeschult? Dann drücke ich natürlich ganz doll die Daumen, dass alles gut geht. Und das mit der Integrationskraft/Schulbegleitung ist echt super. Habt ihr lange gebraucht um die "durchzubekommen"? Bei uns hat sich das amt damals sehr lange quer gestellt und wir wurden von einem Amt zum anderen geschickt. Dann wurde es noch abgelehnt, wei ldie Diagnose erst nicht anerkannt wurde
Echt der Horror war es hier!
LG
Anne
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22.07.2010, 16:30 #22
Hallo AnneBär,
bei Kay war es ähnlich wie bei Euch, in unserem "Regel"-Kindergarten saß Kay auch immer alleine in der Ecke, hat sich ein Kind genähert, irgendetwas durcheinandergebracht o.ä. gab es Ärger.
Erst im Montessori Kindergarten wurde es besser. Kay war dort anerkannt und half sogar den körperbehinderten Kindern wo es ging.
Wir wollten ihn noch ein Jahr zurückstellen, aber Kinderarzt, Schulamt usw. waren der Auffassung, daß die Einschulung wichtig für ihn wäre. So kam er letztes Jahr in eine Förder- und Diagnoseklasse. Die Klasse an sich ist super, nur 10 Kinder. Die Klasse ist allerdings an einen Ganztagesplatz gebunden, der nichts ist. Es sind 2 oder 3 Klassen zusammengewürfelt, 1., 2. und 4. Klasse, eine Erzieherin und oft mehr als 15 Kinder. Es ist zu laut und die Kinder sind zu oft auf sich gestellt. Kay hat sich öfter heimlich in der Toilette eingesperrt, um vermutlich 5 ruhige Minuten zu bekommen.
Wir haben im April d.J. den Antrag auf Schulbegleitung gestellt und bisher nur mündliche Zusagen. Bin wirklich sehr gespannt, ob der Antrag bis zum neuen Schuljahr endlich genehmigt ist.
Kay soll nächstes Jahr auch auf eine andere Schule wechseln, auf die sehr viele Autisten gehen sollen. Dort muß er allerdings erst einen Probeunterricht machen und dann wird entschieden, ob er dorthin paßt bzw. dem Unterrichtsstoff dort folgen kann.
Es bleibt spannend.....;-)
Liebe Grüße v. Sanne
Jeder Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag!



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