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Thema: ADS oder Schubladendenken?
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03.07.2008, 00:38 #16Treues Mitglied
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Moin
Erst einmal möchte ich sagen, dass ich auch die Erfahrung gemacht habe, dass sobald ein Kind einwenig wilder ist es gleich Hyperaktiv ist. Zugleich habe ich aber auch erfahren, das dies stark davon abhängt wo man wohnt. Wir leben auf dem Lande, da sind net gleich alle aktiveren Kinder Hyperaktiv, sobald man aber mit denen in Stadtgegenden kommt, wird man gleich darauf angehauen.
So hatte man mir dies in punkto meines Jüngsten gesagt, da er eben etwas vielwilder ist als unser Großer. Und da man ja nix falsch machen möchte geht man den dann nach. Tja und im enteffekt kam herraus, das unser kleiner ein ganz gewöhnlicher Junge ist.
Die meisten waren in unserem Umfeld eher überrascht das unser Großer ADS hat. Da darf ich mir immer noch anhören Ach der doch net der ist doch so lieb.
Zum Thema Ritalin kann ich nix sagen, da unser Großer keine Medis bekommt.
Ich kenne aber einen JUngen der Ritalin nimmt. Und er hat kaum appetit wenn er seine Medis bekommen hat so ca 2 std nach der einnahme isst u trinkt er nix. Er hat das Problem, das er dann mitten im Untericht Hunger bekommt. Aber sonst meint die Mutter würde es ihm gut tun.
gruß delphine
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03.07.2008, 07:03 #17Spezialist
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Ich verstehe Euch alle! Mich macht die plötzliche Menge von Kindern, bei denen es auftritt auch stutzig.
Wir haben es mit homöopathischer Behandlung probiert, das reichte aber nicht aus. Jetzt noch bekommt unser Sohn zusätzlich "Zappelin", das hilft, die Dosis des Medikamentes etwas niedriger als sonst zu halten.
Auch Ergotherapie hat er vorab gemacht, war aber gar nicht behandelbar, weil so extrem unkonzentriert.
Mien jüngerer Sohn ist auch ein "spring-ins-Feld", aber doch ganz anders, im normalen Bereich halt...
LG renate
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04.07.2008, 15:55 #18
Also mal vorweg, wir wohnen auf dem Land, die Kinder sind "Draußenkinder". Mein Sohn hat ADHS, positiv getestet, ohne Medikation. Homöopathie hat bei ihm nicht angeschlagen. Allerdings fällt mir auf, dass viele Kinder, bei denen die Vermutung ADHS ausgesprochen wurde, ziemlich ohne Strukturen und Regeln leben.
Mein Sohn wird wohl auf Medikamente eingestellt werden müssen. Seine Aufmerksamkeit und Konzentration tendiert, gerade zum Ende eines Schuljahres, gänzlich auf Null. Ebenso merkt man, dass er für Konflikte anfälliger ist, je länger ein SChuljahr dauert. Er läuft halt das komplette Jahr über immer auf Hochtouren und bringt gerade mal nur die Hälfte dessen, was er eigentlich leisten könnte, einfach weil er nie bei der Sache ist oder es einfach nicht scahfft.
LG Christiane
Forenmaus
Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität.
Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
(Sokrates, gr. Philosoph, 470-399 v.Chr.)
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06.07.2008, 08:04 #19
Hallo Sonne69,
zunächst einmal ist ADS oder ADHS keine Krankheit auch wenn sie krankheitswertig sein kann. Das mag zunächst überflüssig erscheinen, aber nicht nur ErzieherInnen oder Lehrer haben gerne eine Schublade auch Eltern können bisweilen mit einer Diagnose AD(H)S besser umgehen. Sie haben einen Anhaltspunkt.
Dies ist nicht unbedingt zu kritisieren, denn egal ob es sich um ein s.g. ADS-Kind handelt oder nicht, müssen wir nicht viel an unserem Verhalten als Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen ändern. Du erwähntest schon Struktur. Nennen wir sie mal auffällige Kinder brauchen davon etwas mehr, aber ansonsten darf man genauso lieb, fürsorglich und begleitend mit ihnen umgehen.
Die Wissenschaft streitet sich seit über 100 Jahren ob ADHS pathologisch oder sozial bedingt ist. Und je nach "Wetterlage" wird in der Literatur auf die eine oder andere Seite mehr Gewicht gelegt. Tatsache ist, dass Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat zwar seine Daseinsberechtigung hat, aber sehr individuell einzusetzen ist. Das Medikament KANN bei jedem Kind positiv wirken.
Ich würde empfehlen dein Kind zu beobachten und viel mit ihm reden. Seine Ängste, seine Wünsche solltest du wissen. Wenn es sich um ein Schulkind handelt, versuche ein Vertrauensverhältnis mit der LehrerIn aufzubauen. Wenn du der Meinung bist, dass die LehrerIn deinem Kind schadet, rede mit der Schulleitung darüber oder auch mit dem Elternrat. Kommunikation ist sehr wichtig; denn wenn man nicht aufklärend unterwegs ist werden die Schubladen zu Dogmen die diskriminieren können. Schaue dir Schule genau an, frage nach den Methoden und setze dich mit in den Unterricht. Die LehrerIn kennt ein ganz anderes Kind als du. Sei etwas gnädig mit den LehrerInnen, sie wollen ebenfalls nur das beste und wissen es manchmal nicht besser, oder sind auch selbst mit der Gesamtsituation überfordert bzw. gestresst. Kinder wollen immer lernen. Wenn also dein Kind im Unterricht nicht mit kommt, solltest zeitnah mit der LehrerIn reden. Es mag den LehrerInnen nicht gefallen, aber wenn ein Kind (ausgenommen bei wirklichen Krankheiten) das im Unterricht vorgebrachte Thema oder Wissen nicht versteht, liegt es an der Vermittlung und nicht am Kind. Es gibt keine trockenen Themen, es gibt nur trockene Vermittler.
Als Elternteil sollten man sich bewusst werden, ob man das was man gerade dem Kind gesagt (angewiesen) hat, auch wirklich durchsetzen möchte und wird. Wenn nicht, dann einfach ruhig sein. Das meiste lernen Kind selbst aus sich heraus und ich sehe/höre immer wieder wie die Eltern glauben ihren Kindern Tipps geben zu müssen, damit es z.B. schneller oder einfacher (für sie den Eltern) geht. Eltern gehen zu sehr nach ihren Erwartungen und übersehen gerne die Bedürfnisse der Kinder. Wenn du im Kopf hast gleich Abendbrot kochen zu "müssen", dann wird dich die Blume am Wegesrand auf die dich dein Kind gerade aufmerksam macht wenig interessieren. Dein Kind kennt aber nichts von deiner Zeiteinteilung den ganzen lieben langen Tag. Auch Langweile fürs Kind ist mal wichtig. Aus Langweile entsteht Kreativität. Bewusster die Erwartungen des Kindes wahrnehmen. Diese Wahrnehmung schärfen, das heißt ja nicht jedem Wunsche dem Kindes nachzugeben. Es soll viel mehr die Aufmerksamkeit für sein Kind schärfen und ein Abwägen leichter machen. Wenn ich mir sicher in meinem Verhalten bin, dann habe ich weniger Probleme meine Anweisungen auch konsequent durchzusetzen. Wenn ich als Elternteil eine Grenze gesetzt habe, dann hat das Kind diese Grenze zu akzeptieren. Aber ich merke gerade, dass sich im schreiben gleich wieder neue Fragen eröffnen und möchte zum Schluss kommen.
Wichtig scheint mir noch der Hinweis, dass Grenzen setzen und diese auch durchzuhalten nichts damit zu tun haben, dass das Kind den Elternteil weniger lieb haben könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Das Kind lernt mehr und mehr, wo es an die Grenzen stösst und dies wird immer und immer wieder testen - wo sind meine Grenzen, es hört nie auf. LG



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