Präsentiert vom Sailer Verlag - Deutschlands großer Wissensverlag für Kinder
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Frühlingsgedichte für Kinder

Frühlingsgedichte für Kinder

Der Winter ist vorbei, Frühling liegt in der Luft. Knospen sprießen, die ersten Blüten und hellgrüne Blätter an den Bäumen treiben aus. 

Um den Frühling richtig willkommen zu heißen, haben die Redakteure von Schule und Familie die allerschönsten Frühlingsgedichte, Sprüche und Zitate zusammengestellt. Lesen Sie unsere Verse gemeinsam mit Ihrem Kind oder lernen Sie sie zusammen auswendig.

Er ist´s

Eine Biene sitzt auf einem Gänseblümchen.

Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist´s!
Dich hab` ich vernommen.

Eduard Mörike (1804-1875)

Lob des Frühlings 

Saatengrün, Veilchenduft, 
Lerchenwirbel, Amselschlag, 
Sonnenregen, linde Luft!

Wenn ich solche Worte singe, 
braucht es dann noch große Dinge,
Dich zu preisen, Frühlingstag!

Ludwig Uhland (1787 - 1862)

Frühzeitlicher Frühling 

Hellgrüne Blätter im Frühlingssonnenschein

Tage der Wonne,
kommt ihr so bald?
Schenkt mir die Sonne,
Hügel und Wald?

Reichlicher fließen
Bächlein zumal.
Sind es die Wiesen?
Ist es das Tal?

Blauliche Frische!
Himmel und Höh' !
Goldene Fische
wimmeln im See.

Buntes Gefieder
rauschet im Hain,
himmlische Lieder
schallen darein.

Unter des Grünen
blühender Kraft
naschen die Bienen
summend am Saft.

Leise Bewegung
bebt in der Luft,
reizende Regung,
schläfernder Duft.

Mächtiger rühret
bald sich ein Hauch,
doch er verlieret
gleich sich im Strauch.

Aber zum Busen
kehrt er zurück:
Helfet, ihr Musen,
tragen das Glück!

Saget, seit gestern
wie mir geschah?
Liebliche Schwestern,
Liebchen ist da!

Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

Frühling

Bunte Blumen vor blauem Himmel.

Was rauschet,  was rieselt,  was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"
Was knospet, was keimet,  was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"
Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" - Da wusst' ich genug!

Heinrich Seidel (1842 - 1906)

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An den Frühling

Frühlingswald mit hellgrünen Blättern.
Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!

Ei! Ei! Da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
entgegen dir zu gehn.

Denkst auch noch an mein Mädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen,
und 's Mädchen liebt mich noch!

Für's  Mädchen manches Blümchen
erbettelt ich von dir
Ich komm und bettle wieder,
Und Du? Du gibst es mir?

Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!

Friedrich von Schiller (1759-1805)

Frühling

Frühlingswiese in den Bergen.

Über kürzlich erst gedüngte
Wiesen zieht der Blumenflor,
Und Natur, die sich verjüngte,
Kommt uns schön und lieblich vor.

Lämmer springen, Ziegen hüpfen,
Alle Tiere dünkt es recht,
Liebedurstig anzuknüpfen
Mit dem anderen Geschlecht.

Spatzen, Tauben, Stare, Schwalben
Paaren sich, und auch das Huhn
Will im Feld und allenthalben
Mit dem Hahn dasselbe tun.

Stolz erfüllt den muntern Gockel,
Und das Weibchen schwimmt im Glück.
Nur der arme Pfarrerzwockel
Zieht sich in sich selbst zurück.

Liebesglück und Liebesschmerzen
Sind ihm fremd et cetera.
Denn er kennt nur Frauenherzen,
Die er durch ein Astloch sah.

Ludwig Thoma (1867-1921)

Frühlings Ankunft

Marienkäfer auf Blüten eines Obstbaumes.

Alle Vögel sind schon da,
alle Vögel, alle!
Welch ein Singen, Musiziern,
Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern!
Frühling will nun einmarschiern,
kommt mit Sang und Schalle.

Wie sie alle lustig sind,
flink und froh sich regen!
Amsel, Drossel, Fink und Star
und die ganze Vogelschar
wünschet dir ein frohes Jahr,
lauter Heil und Segen.

Was sie uns verkünden nun,
nehmen wir zu Herzen:
Wir auch wollen lustig sein,
lustig wie die Vögelein,
hier und dort, feldaus,
feldeinsingen, springen, scherzen!

August Heinrich von Fallersleben (1798-1874)

{BREAK}

Vertraut

Ein kleines Mädchen riecht an einer Frühlingsblume.

Wie liegt die Welt so frisch und traurig
vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
ins frühlingsgrüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
in schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
und eben darum lieb ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer,
wer voll Vertraun die Welt besieht,
den freut es, wenn ein Regenschauer
mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Frühlingslied 

Familie spaziert über eine Frühlingswiese.

Die Luft ist blau, das Tal ist grün.
Die kleinen Maienglocken blühn
und Schlüsselblumen drunter.

Der Wiesengrund
ist schon so bunt
und malt sich täglich bunter.

Drum komme, wenn der Mai gefällt,
und freue sich der schönen Welt
und Gottes Vatergüte,

die solche Pracht
hervorgebracht,
den Baum und seine Blüte.

Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)

Geburtstag im Frühling

Grüne Blätter an einem Baum.

Im Garten blühn schon ein Weilchen
Schneeglöckchen, Krokus und Veilchen.

Da hab ich nicht lang bedacht
und ein schönes Sträußchen zurechtgemacht.

Das bringe ich dir zum Geburtstagsfest.
Der Frühling dich schön grüßen läßt.

Er sagt mit allem Sonnenschein
kehrt er so gerne bei dir ein.

Damit dein neues Lebensjahr
sei sonnig, fröhlich, hell und klar.

Friedrich Güll (1812-1879)

Frühlingsnacht

Frühlingsblume mit Rauhreif in der Wiese.

Über`n Garten durch die Lüfte
hört ich Wandervögel zieh`n,
was bedeutet Frühlingsdüfte,
unten fängt`s  schon an zu blüh`n.

Jauchzen möcht` ich, möchte weinen,
ist mir`s  doch, als könnt`s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
mit dem Morgenglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen`s
und in Träumen rauscht`s der Hain
und die Nachtigallen schlagen`s:
Sie ist Deine, sie ist Dein!

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Schöner Frühling 

Blühender Kirschbaum im Frühling

Schöner Frühling, komm doch wieder,
lieber Frühling komm`doch bald,
bring`uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald.

Auf die Berge möcht` ich fliegen,
möchte seh`n ein grünes Tal,
möcht` in Gras und Blumen liegen
und mich freu`n am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang,
möchte freuen mich im Freien,
an der Vögel süßem Sang.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Frühlingsbotschaft

Blühendes Tulpenfeld im Frühling.

Leise zieht durch mein Gemüt
liebliches Geläute,
klinge, kleines Frühlingslied,
kling hinaus ins Weite.

Zieh hinaus bis an das Haus,
wo die Veilchen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
sag, ich lass sie grüßen.

Heinrich Heine (1797-1856)

Frühlingsglaube

Kirschblüten im Frühling.

Die linden Lüfte sind erwacht,
sie säuseln und weben Tag und Nacht,
sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herz, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch kommen mag.
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal.
Nun, armes Herz, vergiß die Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland (1787-1862)

Mai

Veilchen im Frühling.

Die Kinder schreien: "Vivat hoch!"
in die blaue Luft hinein;
den Frühling setzen sie auf den Thron,
der soll ihr König sein.

Die Kinder haben die Veilchen gepflückt,
all, all, die da blühten am Mühlengraben.
Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest
in ihren kleinen Fäusten haben.

Theodor Storm (1817-1888)

Mailied

Blühende Bäume im Frühling

Wie herrlich leuchtet
mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie leuchtet die Flur!

Es dringen Blüten
aus jedem Zweig
und tausend Stimmen
aus dem Gesträuch,

und Freud und Wonne
aus jeder Brust.
O Erd', o Sonne!
O Glück, o Lust!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

{BREAK}

Frühlingsgruss

Blühende Büsche in einem schönen Frühlingsgarten.

Es steht ein Berg in Feuer,
in feurigem Morgenbrand,
und auf des Berges Spitze
ein Tannenbaum überm Land.

Und auf dem höchsten Wipfel
steh ich und schau vom Baum.
O Welt, du schöne Welt du,
man sieht dich vor Blüten kaum!

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Mailied für Kinder

Blühende Tulpen im Frühlingsgarten.

Da ist nun der Mai!
Da grünen die Felder,
die Gärten, die Wälder,
da rauschen die Quellen.

Da singen und springen
die Vögel herbei.
Da laufen die Kinder,
die Mädchen und Buben,
aus Kammern und Stuben
hinaus, hinausaus dem engen Haus!

Ein einzig Tierlein dort,
wie sehr es sich auch strecke,
kann nicht vom Hause fort.
Es ist die arme Schnecke.

Ob sie sich deshalb schämt?
Wohl gar darum sich grämt?
O nein! Sie denkt mit Lachen:
Es wird sich doch noch machen!

Sie denkt sich`s so und so,
und endlich ruft sie froh:
Ja, ja, so wird`s  sich schicken;
ich nehm mein Haus auf den Rücken!

Und richtig, es geht.
Und die Schnecke, seht,
kann nun mit allen andern
vergnügt in den Frühling wandern.

Robert Reinick (1805-1852)

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Im Maien

Blühende Hyazinthen im Frühlingsgarten.

Ach! Im Frühlingsüberschwange
Fühlt ein jedes Hundeherz
Sich getrieben von dem Drange,
Ohne Ruh
A-hu! A-hu!
Von der Liebe süßem Schmerz.

Milder werden ihre Sitten;
Es ergreift Melancholie
Alle, die vergeblich bitten.
Darum du
A-hu! A-hu!
Hundedame, höre sie!

Fühlst du keine jener Schwächen,
Die das Herrenvolk verehrt?
O! das muß sich einmal rächen!
Nur so zu!
A-hu! A-hu!
Auch der Mops hat seinen Wert.

Eh du's meinst, vergeht die Jugend;
Und mit der du so gegeizt,
Gerne gäbst du deine Tugend,
Alte Kuh!
A-hu! A-hu!
Die dann keinen Pinscher reizt.
Mädchen! Sieh an diesen Hunden,
Was auch unsere Wünsche sind!
Hast du wen im Mai gefunden,
O so tu!

Ludwig Thoma (1867-1921)

Zitronenfalter im April

Zitronenfalter

Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!

Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn

Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.

Eduard Mörike (1804-1875)

Frohe Lieder will ich singen

Frohe Lieder will ich singen
und vergessen allen Schmerz,
und ich will mich fröhlich schwingen
mit der Lerche himmelwärts.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


Die Bäume blühen überall,
die Blumen blühen wieder,
und wieder singt die Nachtigall
nun ihre alten Lieder.
O glücklich, wer doch singt und lacht,
dass auch der Frühling sein gedacht. 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


Oh, wie ist es kalt geworden 
und so traurig, öd und leer! 
Rauhe Winde wehn von Norden, 
und die Sonne scheint nicht mehr. 

Schöner Frühling, komm doch wieder,
lieber Frühling, komm doch bald.
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald! 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


So sei gegrüßt viel tausendmal,
holder, holder Frühling!
Willkommen hier in unserm Tal,
holder, holder Frühling!

Holder Frühling, überall
grüßen wir dich froh mit Sang und Schall,
mit Sang und Schall.

Du kommst, und froh ist alle Welt,
holder, holder Frühling!
Es freut sich Wiese, Wald und Feld,
holder, holder Frühling!

Jubel tönt dir überall,
dich begrüßet Lerch und Nachtigall,
und Nachtigall.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

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Maler Frühling

Mädchen riecht an Frühlingsblüten

Der Frühling ist ein Maler,
er malet alles an,
die Berge mit den Wäldern,
die Täler mit den Feldern:

Was der doch malen kann!
Auch meine lieben Blumen
schmückt er mit Farbenpracht:
Wie sie so herrlich strahlen!

So schön kann keiner malen,
so schön, wie er es macht.
O könnt ich doch so malen,
ich malt ihm einen Strauß

und spräch in frohem Mute
für alles Lieb und Gute
so meinen Dank ihm aus!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


Schöner Frühling, komm doch wieder, 

lieber Frühling, komm doch bald!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


Frühlingsbotschaft

Märzenbecher

Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!

Frühling, Frühling wird es nun bald.
Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
Kommt in die Felder,

Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!
Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!

Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Frühlings Ankunft

Maikäfer

Grüner Schimmer spielet wieder
Drüben über Wies' und Feld.
Frohe Hoffnung senkt sich nieder
Auf die stumme trübe Welt.

Ja, nach langen Winterleiden
Kehrt der Frühling uns zurück,
Will die Welt in Freude kleiden,
Will uns bringen neues Glück.

Seht, ein Schmetterling als Bote
Zieht einher in Frühlingstracht,
Meldet uns, dass alles Tote
Nun zum Leben auferwacht.

Nur die Veilchen schüchtern wagen
Aufzuschau'n zum Sonnenschein;
Ist es doch, als ob sie fragen:
„Sollt' es denn schon Frühling sein?“

Seht, wie sich die Lerchen schwingen
In das blaue Himmelszelt!
Wie sie schwirren, wie sie singen
Über uns herab ins Feld!

Alles Leid entflieht auf Erden
Vor des Frühlings Freud‘ und Lust –
Nun, so soll‘s auch Frühling werden,
Frühling auch in unsrer Brust!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

{BREAK}

Frühlingslied

Biene auf einer Blüte

Der Frühling hat sich eingestellt,
wohl an, wer will ihn seh'n?
Der muss mit mir ins freie Feld,
ins grüne Feld nun gehen.

Er hielt im Walde sich versteckt,
dass Niemand ihn mehr sah;
ein Vöglein hat ihn aufgeweckt:
jetzt ist er wieder da.

Jetzt ist der Frühling wieder da;
ihm folgt, wohin er zieht,
nur lauter Freude fern und nah,
und lauter Spiel und Lied.

Und Allen hat er, Groß und Klein,
was Schönes mitgebracht und
sollt's auch nur ein Sträußchen sein:
er hat an uns gedacht.

Drum frisch hinaus ins freie Feld,
ins grüne Feld hinaus!
Der Frühling hat sich eingestellt;
wer bliebe da zu Haus?

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Liebesfrühling

Marienkäfer

Wie oft schon ward es Frühling wieder
Für die erstorbne öde Welt!
Wie oft schon schollen frohe Lieder
Ihm überall durch Wald und Feld!

Wie oft schon ward es Frühling wieder!
Doch Frühling ward es nicht für mich:
Es schweigen meines Herzens Lieder,
Denn Frühling wird es nur durch dich.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Der Frühling

Kleinkind mit einem Windrad auf einer Frühlingswiese

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Wer sehnt sich nicht

Wer sehnt sich nicht nach Freuden der Liebe und großen Taten,
wenn im Auge des Himmels und im Busen der Erde der Frühling wiederkehrt?

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Der Frühling

Maibowle

Es kommt der neue Tag aus fernen Höhn herunter,
Der Morgen der erwacht ist aus den Dämmerungen,
Er lacht die Menschheit an, geschmückt und munter,
von Freuden ist die Menschheit sanft durchdrungen.

Ein neues Leben will der Zukunft sich enthüllen,
Mit Blüten scheint, dem Zeichen froher Tage,
Das große Tal, die Erde sich zu füllen,
Entfernt dagegen ist zur Frühlingszeit die Klage.

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Der Frühling

Maikäfer auf einem Blatt

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,

O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh' und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)


Der Bäume Gipfel schauerten leise, 

wie Blumen aus der dunklen Erde sprossten
Sterne aus dem Schoße der Nacht,
und des Himmels Frühling glänzt' in heiliger Freude mich an.

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)


Schneeglöckchen

Schneeglöckchen im Schnee

's war doch wie ein leises Singen
In dem Garten heute Nacht,
Wie wenn laue Lüfte gingen:
"Süße Glöcklein, nun erwacht,
Denn die warme Zeit wir bringen,
Eh's noch jemand hat gedacht."

's war kein Singen, 's war ein Küssen,
Rührt' die stillen Glöcklein sacht,
Dass sie alle tönen müssen
Von der künft'gen bunten Pracht.

Ach, sie konnten's nicht erwarten,
Aber weiß vom letzten Schnee
War noch immer Feld und Garten,
Und sie sanken um vor Weh.

So schon manche Dichter streckten
Sangesmüde sich hinab,
Und der Frühling, den sie weckten,
Rauschet über ihrem Grab.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)


Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende,

Wie einer Frage Ton, dass dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzt die Natur mit ihrer Pracht auf Erden.

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)


Ein Bruder des Frühlings war uns der Herbst, 

voll milden Feuers, eine Festzeit für die Erinnerung
an Leiden und vergangne Freuden der Liebe.

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)


Da flogen wir, da wanderten wir, wie Schwalben, 

von einem Frühling der Welt zum anderen.

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)


Der Frühling

Wecker und Frühlingsblumen

Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben,
Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben
Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder
Und festlich machen sich Gesang und Lieder.

Das Leben findet sich aus Harmonie der Zeiten,
Dass immerdar den Sinn Natur und Geist geleiten,
Und die Vollkommenheit ist Eines in dem Geiste,
So findet vieles sich, und aus Natur das meiste.
(Scardanelli)

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843)


O sanfter, süßer Hauch!

Schon weckest du wieder
Mir Frühlingslieder,
Bald blühen die Veilchen auch.

Ludwig Uhland (1787-1862)


Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland (1787-1862)

Ewiger Frühling

Kühe

Wohl blühet jedem Jahre
Sein Frühling mild und licht,
Auch jener große, klare,
Getrost, er fehlt dir nicht!

Er ist dir noch beschieden
Am Ziele deiner Bahn;
Du ahntest ihn hinieden,
Und droben bricht er an.

Ludwig Uhland (1787-1862)

Frühlingsruhe

Wolken

O legt mich nicht ins dunkle Grab,
Nicht unter die grüne Erd hinab!
Soll ich begraben sein,
Lieg ich ins tiefe Gras hinein.

In Gras und Blumen lieg ich gern,
Wenn eine Flöte tönt von fern
Und wenn hoch obenhin
Die hellen Frühlingswolken ziehn.

Ludwig Uhland (1787-1862)

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Saatengrün, Veilchenduft, 

Lerchenwirbel, Amselschlag,
Sonnenregen, linde Luft!
Wenn ich preis den Frühlingstag.

Ludwig Uhland (1787-1862)


Horch! Wie brauset der Sturm 

und der schwellende Strom in der Nacht hin!
Schaurig süßes Gefühl!
Lieblicher Frühling, du nahst!

Ludwig Uhland (1787-1862)


Frühlingslied des Rezensenten

Wanderschuhe im Frühling

Frühling ist's, ich lass es gelten,
Und mich freut's, ich muss gestehen,
Dass man kann spazieren gehen,
Ohne just sich zu erkälten.

Störche kommen an und Schwalben,
Nicht zu frühe! nicht zu frühe!
Blühe nur, mein Bäumchen, blühe!
Meinethalben, meinethalben!

Ja! ich fühl ein wenig Wonne,
Denn die Lerche singt erträglich,
Philomele nicht alltäglich,
Nicht so übel scheint die Sonne.

Dass es keinen überrasche,
Mich im grünen Feld zu sehen!
Nicht verschmäh ich's auszugehen,
Kleistens "Frühling" in der Tasche!

Ludwig Uhland (1787-1862)

Vorfrühling

Mädchen beim Inlineskaten

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten.

Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)


Und es fragen mich die Leute:

„Sag, wie kommt's, dass deine Lieder
So das Gestern wie das Heute
Spiegeln tausendtönig wieder?

Wenn nur einer Stunde Beben
Sie beseelet und entzündet,
Sag, wie kommt's, dass all dein Leben
Bunt und seltsam in sie mündet,

All dein Grübeln und dein Träumen
In die Töneflut sich schlinget,
Der Gedanken wechselnd Schäumen
Dumpf durch deine Lieder klinget?“

Und ich sage: „Seht, es gleichen
Meine Lieder jenen Blüten,
Die ja auch in einer weichen,
Heißen, einzgen Nacht erblühten,

Und im Kelche dennoch tragen
Eines ganzen Lebens Währen:
Sonne von versunknen Tagen,
Ferner Frühlingsnächte Gären.“

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)


Es läuft der Frühlingswind

Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten.

Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

{BREAK}

Vorgefühl

Flieder

Das ist der Frühling nicht allein,
Der durch die Bäume dränget
Und wie im Fass der junge Wein
Die Reifen fast zersprenget,

Der Frühling ist ja zart und kühl,
Ein mädchenhaftes Säumen,
Jetzt aber wogt es reif und schwül
Wie Julinächte träumen.

Es blinkt der See, es rauscht die Bucht,
Der Mond zieht laue Kreise,
Der Hauch der Nachtluft füllt die Frucht,
Das Gras erschauert leise.

Das ist der Frühling nicht allein,
Der weckt nicht solche Bilder.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Verheißung

Blaue Horentsien

Fühlst Du durch die Winternacht
Durch der kalten Sternlein Zittern
Durch der Eiskristalle Pracht
Wie sie flimmern und zersplittern,

Fühlst nicht nahen laue Mahnung,
Keimen leise Frühlingsahnung?
Drunten schläft der Frühlingsmorgen
Quillt in gährenden Gewalten

Und, ob heute noch verborgen,
Sprengt er rings das Eis in Spalten:
Und in wirbelnd lauem Wehen
Braust er denen, die's verstehen.

Hörst Du aus der Worte Hall,
Wie sie kühn und trotzig klettern
Und mit jugendlichem Prall
Klirrend eine Welt zerschmettern:

Hörst Du nicht die leise Mahnung,
Warmen Lebensfrühlings Ahnung?

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Blütenreife

Heckenrose

Die Blüten schlafen am Baume
In schwüler, flüsternder Nacht,
Sie trinken in duftigem Traume
Die flimmernde, feuchte Pracht.

Sie trinken den lauen Regen,
Den glitzernden Mondenschein,
Sie zittern dem Licht entgegen,
Sie saugen es taumelnd ein:

Sie sprengen die schweigende Hülle
Und gleiten berauscht durch die Luft
Und sterben an der Fülle
Von Glut und Glanz und Duft.

Das war die Nacht der Träume,
Der Liebe schwül gärende Nacht,
Da sind mit den Knospen der Bäume
Auch meine Lieder erwacht.

Sie sprengten die schweigende Hülle
Und glitten berauscht durch die Luft
Und starben an der Fülle
Von Glut und Glanz und Duft.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)


Wer sich nach dem Frühling sehnt, darf nicht auf den Nussbaum sehen.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)


Winter ist – aber die Knospen wissen es besser.

Unbekannt


O Frühling, deine Sprache ist mir ein süßer Gesang, den ich mit meinen innersten Gefühlen begleite!

Unbekannt

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Märzlied

Almauftrieb

Eh noch der Lenz beginnt,
Schnee von den Bergen rinnt,
Singet das Vöglein schon
Freudigen Ton.

Noch blüht kein Veilchen blau,
Noch ist der Wald so grau;
Was mag das Vöglein
Denn so erfreun?

Wärme und heller Schein
Hauchen ihm Ahnung ein:
Bald kommt mit neuem Glück
Frühling zurück.

Voll dieser Fröhlichkeit
Singts ob der dürren Heid‘,
Lernt auf den künft‘gen Mai
Lieder sich neu.
Unbekannt

Ja es umgibt uns eine neue Welt!
Der Schatten dieser immer grünen Bäume
Wird schon erfreulich. Schon erquickt uns wieder
Das Rauschen dieser Brunnen, schwankend wiegen

Im Morgenwinde sich die jungen Zweige.
Die Blumen von den Beeten schauen uns
Mit ihren Kinderaugen freundlich an.
Der Gärtner deckt getrost das Winterhaus

Schon der Citronen und Orangen ab,
Der blaue Himmel ruhet über uns
Und an dem Horizonte lös't der Schnee
Der fernen Berge sich in leisen Duft.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


Frühling übers Jahr 

Das Beet schon lockert
Sich's in die Höh'
Da wanken Glöckchen
So weiß wie Schnee;

Safran entfaltet
Gewaltg'e Glut,
Smaragden keimt es
und keimt wie Glut.

Primeln stolzieren
So naseweis,
Schalkhafte Veilchen
Versteckt mit Fleiß;

Was auch noch alles
Da regt und webt,
Genug, der Frühling
Er wirkt und lebt.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


Die Nachtigall, sie war entfernt,

Der Frühling lockt sie wieder;
Was Neues hat sie nicht gelernt,
Singt alte, liebe Lieder.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

März

Kinder machen einen Kopfstand

Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Dass von den Blümlein allen,
Dass von den Blümlein allen

Wir werden hocherfreut.
Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem falschen Schein,
Die Schwalbe selber lüget,

Warum? Sie kommt allein!
Sollt' ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,

Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


Der späte Mond, der zur Nacht noch anständig leuchtet, verblasst vor der aufgehenden Sonne; der Liebeswahn des Alters verschwindet in Gegenwart leidenschaftlicher Jugend; die Fichte, die im Winter frisch und kräftig erscheint, sieht im Frühling verbräunt und missfärbig aus neben hellaufgrünender Birke.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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Ich sah den Lenz einmal,

Erwacht im schönsten Tal;
Ich sah der Liebe Licht
Im schönsten Angesicht.

Und wandl‘ ich nun allein
Im Frühling durch den Hain,
Erscheint aus jedem Strauch
Ihr Angesicht mir auch.

Nikolaus Lenau (1802-1850)


Frühlingsgedränge

Erdbeeren und Erdbeermarmelade

Frühlingskinder im bunten Gedränge,
Flatternde Blüthen, duftende Hauche,
Schmachtende, jubelnde Liebesgesänge
Stürzen an's Herz mir aus jedem Strauche.

Frühlingskinder mein Herz umschwärmen,
Flüstern hinein mit schmeichelnden Worten,
Rufen hinein mit trunkenem Lärmen,
Rütteln an längst verschlossenen Pforten.

Frühlingskinder, mein Herz umringend,
Was doch sucht ihr darin so dringend?
Hab' ich's verrathen euch jüngst im Traume,
Schlummernd unter dem Blüthenbaume?

Brachten euch Morgenwinde die Sage,
Dass ich im Herzen eingeschlossen
Euren lieblichen Spielgenossen,
Heimlich und selig – ihr Bildniss trage?

Nikolaus Lenau (1802-1850)


Noch immer, Frühling, bist du nicht
Gekommen in mein Tal,
Wo ich dein liebes Angesicht
Begrüß das letzte Mal.

Frühblumen wähnten dich schon hier,
Frost bringt sie um ihr Glück,
Sie sehnten sich hinaus nach dir,
Und können nicht zurück.

Noch stehn die Bäume dürr und bar
Um deinen Weg herum
Und strecken, eine Bettlerschar,
Nach dir die Arme stumm.

Die Schwalbe fliegt bestürzt umher
Und ruft nach dir voll Gram,
Bereut schon, dass sie über‘s Meer
Zu früh herüber kam.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Primula veris

Blaue Eier in einem Nest

Liebliche Blume,
Bist du so früh schon
Wiedergekommen?
Sei mir gegrüßet,

Primula veris!

Leiser denn alle
Blumen der Wiese
Hast du geschlummert,
Liebliche Blume,

Primula veris!

Dir nur vernehmbar
Lockte das erste
Sanfte Geflüster
Weckenden Frühlings,

Primula veris!

Mir auch im Herzen
Blühte vor Zeiten
Schöner denn alle
Blumen der Liebe,
Primula veris!

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Frühlingsblick

Frühjahrslorchel

Durch den Wald, den dunklen, geht
Holde Frühlingsmorgenstunde,
Durch den Wald vom Himmel weht
Eine leise Liebeskunde.

Selig lauscht der grüne Baum,
Und er taucht mit allen Zweigen
In den schönen Frühlingstraum,
In den vollen Lebensreigen.

Blüht ein Blümlein irgendwo,
Wird's vom hellen Tau getränket,
Das einsame zittert froh,
Dass der Himmel sein gedenket.

In geheimer Laubesnacht
Wird des Vogels Herz getroffen
Von der großen Liebesmacht,
Und er singt ein süßes Hoffen.

All das frohe Lenzgeschick
Nicht ein Wort des Himmels kündet;
Nur sein stummer, warmer Blick
Hat die Seligkeit entzündet.

Also in den Winterharm,
Der die Seele hielt bezwungen,
Ist ein Blick mir, still und warm,
Frühlingsmächtig eingedrungen.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Frühling

Bergbach

Die warme Luft, der Sonnenstrahl
Erquickt mein Herz, erfüllt das Tal.
O Gott! wie deine Schritte tönen!
In tiefer Lust die Wälder stöhnen;

Die hochgeschwellten Bäche fallen
Durch Blumen hin mit trunknem Lallen;
Sein bräutlich Lied der Vogel singt,
Die Knosp in Wonne still zerspringt;

Und drüber goldner Wolken Flug;
Die Liebe ist in vollem Zug.
An jeder Stelle möcht ich liegen;
Mit jedem Vogel möcht ich fliegen,

Ich möchte fort und möchte bleiben,
Es fesselt mich und will mich treiben.
O Lenz, du holder Widerspruch:
Ersehnte Ruh und Friedensbruch,

So heimatlich und ruhebringend,
So fremd, in alle Ferne dringend.
Das Frühlingsleuchten, treu und klar,
Erscheint dem Herzen wunderbar

Ein stehngebliebner Freudenblitz,
In Gottes Herz ein offner Ritz;
Und wieder im Vorübersprung
Ein Himmel auf der Wanderung;

Ein irrer Geist, der weilend flieht
Und bang das Herz von hinnen zieht.
Ich wandle irr, dem Himmel nach,
Der rauschend auf mich niederbrach;

O Frühling! Trunken bin ich dein!
O Frühling! Ewig bist du mein!

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Vorfrühling

Astloch

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigen’s.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)


Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)


Im Märzen der Bauer

Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt
Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.

Er pflüget den Boden er egget und sät
und rührt seine Hände früh morgens und spät

Die Bäu´rin, die Mägde sie dürfen nicht ruh´n
sie haben in Haus und Garten zu tun.

Sie graben und rechen und singen ein Lied
sie freu´n sich, wenn alles schön grünet und blüht.

So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei
Da erntet der Bauer das duftende Heu

Er mäht das Getreide dann drischt er es aus
Im Winter da gibt es manch fröhlichen Schmaus.

Volksgut

{BREAK}

Frühling ist wiedergekommen. Die Erde
ist wie ein Kind, das Gedichte weiß;
viel, o viele ... Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.

Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne, das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kanns, sie kanns!

Erde, die frei hat, du glückliche, spiele!
nun mit den Kindern. Wir wollen dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.
O, was der Lehrer sie lehrte, das Viele,

und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stämmen: sie singts, sie singts!

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Ein Frühlingswind

Maiglöckchen

Mit diesem Wind kommt Schicksal; lass, o lass
es kommen, all das Drängende und Blinde,
vor dem wir glühen werden –: alles das.
(Sei still und rühr dich nicht, dass es uns finde.)

O unser Schicksal kommt mit diesem Winde.
Von irgendwo bringt dieser neue Wind,
schwankend vom Tragen namenloser Dinge,
über das Meer her was wir sind.

Wären wirs doch. So wären wir zuhaus.
(Die Himmel stiegen in uns auf und nieder.)
Aber mit diesem Wind geht immer wieder
das Schicksal riesig über uns hinaus.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Frühling

Veilchenstrauß

Die Vögel jubeln – lichtgeweckt –,
die blauen Weiten füllt der Schall aus;
im Kaiserpark das alte Ballhaus
ist ganz mit Blüten überdeckt.

Die Sonne schreibt sich hoffnungsvoll
ins junge Gras mit großen Lettern.
Nur dorten unter welken Blättern
seufzt traurig noch ein Steinapoll.

Da naht ein Lüftchen, fegt im Tanz
hinweg das gelbe Blattgeranke
und legt um seine Stirn, die blanke,
den blauenden Syringenkranz.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

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Schon, horch, hörst du der ersten Harken

Arbeit; wieder den menschlichen Takt
in der verhaltenen Stille der starken
Vorfrühlingserde. Unabgeschmackt
scheint dir das Kommende. Jenes so oft
dir schon Gekommene scheint dir zu kommen
wieder wie Neues. Immer erhofft,
nahmst du es niemals. Es hat dich genommen.

Selbst die Blätter durchwinterter Eichen
scheinen im Abend ein künftiges Braun.
Manchmal geben sich Lüfte ein Zeichen.
Schwarz sind die Sträucher. Doch Haufen von Dünger
Lagern als satteres Schwarz in den Aun.
Jede Stunde, die hingeht, wird jünger.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Vorfrühling

Gänseblümchenstrauß

Vorfrühling seufzt in weiter Nacht,
dass mir das Herze brechen will;
Die Lande ruh'n so menschenstill,
nur ich bin aufgewacht.

O horch, nun bricht des Eises Wall
auf allen Strömen, allen Seen;
Mir ist, ich müsste mit vergeh'n
und, Woge, wieder auferstehen,
zu neuem Klippenfall.

Die Lande ruh‘n so menschenstill;
Nur hier und dort ist wer erwacht,
und meine Seele weint und lacht,
wie es der Tauwind will.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Frühlingsahnung

Veilchenstrauß

Rosa Wölkchen überm Wald
wissen noch vom Abendrot dahinter
überwunden ist der Winter,
Frühling kommt nun bald.

Unterm Monde silberweiß,
zwischen Wipfeln schwarz und kraus
flügelt eine Fledermaus
ihren ersten Kreis.

Rosa Wölkchen überm Wald
wissen noch vom Abendrot dahinter
überwunden ist der Winter,
Frühling kommt nun bald.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Vorfrühling

Maiglöckchen

Die blätterlosen Pappeln stehn so fein,
so schlank, so herb am abendfahlen Zelt.
Die Amseln jubeln wild und bergquellrein,
und wunderlich in Ahnung ruht die Welt.

Gespenstische Gewölke, schwer und feucht,
zerschatten den noch ungesternten Raum
und Übergraun, im sinkenden Geleucht.
Gebirg und Grund, ein krauser, trunkner Traum.

Christian Morgenstern (1871-1914) 


Wenn so der erste feine Staub 
des Sommers auf die Blätter fällt – 
dann ade, du Frühlingswelt! 
Dann ade, du junges Laub! 

Ach, wie sterben die Frühlinge schnelle!
Wenn erst das Auge sich versöhnt
mit all dem Grün und Weiß und Rot,
da beginnt des Frühlings Tod,

da versommern wir verwöhnt...
Ach, wie sterben die Frühlinge schnelle!
Und dann schauen wir vom Hügel,
wie das Land sich müde sonnt...

Leblos steht ein Mühlenflügel,
wie ein Kreuz, am Horizont.
Ach, wie sterben die Frühlinge schnelle!

Christian Morgenstern (1871-1914)


Butterblumengelbe Wiesen

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt,
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!
Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift –
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

Christian Morgenstern (1871-1914)

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Es ist doch im April fürwahr, der Frühling weder halb noch gar!
Komm Rosenbringer, süßer Mai, komm du herbei!
So weiß ich, dass es Frühling sei.

Eduard Mörike (1804-1875)


So fühlt auch mein alter, lieber
Adam Herbst- und Frühlingsfieber...
Also bist du nicht so schlimm, o alter
Adam, wie die strengen Lehrer sagen.

Eduard Mörike (1804-1875)


Der Himmel glänzt vom reinsten Frühlingslichte, 
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.

Wenn ich den Blick nun zu den Bergen richte,
Die duftig meiner Liebe Tal umhegen -
O Herz, was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Dass all der Wonnestreit in dir sich schlichte!

Du, Liebe, hilf den süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, o Frühling, hilf die Liebe beugen!
Lisch aus, o Tag! Lass mich in Nacht genesen!

Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.

Eduard Mörike (1804-1875)

{BREAK}

Im Frühling

Rosa Hyazinthe

Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel:
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag mir, all-einzige Liebe,
Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann werd' ich gestillt?
Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
Es dringt der Sonne goldner Kuss

Mir tief bis ins Geblüt hinein;
Die Augen, wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
Mein Herz, o sage,
Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung?
- Alte unnennbare Tage!

Eduard Mörike (1804-1875)

In meiner Erinnrung erblühen 
Die Bilder, die längst verwittert –
Was ist in deiner Stimme, 
Das mich so tief erschüttert? 

Sag nicht, dass du mich liebst!
Ich weiß, das Schönste auf Erden,
Der Frühling und die Liebe,
Es muss zuschanden werden.

Sag nicht, dass du mich liebst!
Und küsse nur und schweige,
Und lächle, wenn ich dir morgen
Die welken Rosen zeige.

Heinrich Heine (1797-1856)

Unterm weißen Baume sitzend

Maibaum

Unterm weißen Baume sitzend,
Hörst du fern die Winde schrillen,
Siehst, wie oben stumme Wolken
Sich in Nebeldecken hüllen;

Siehst, wie unten ausgestorben
Wald und Flur, wie kahl geschoren; –
Um dich Winter, in dir Winter,
Und dein Herz ist eingefroren.

Plötzlich fallen auf dich nieder
Weiße Flocken, und verdrossen
Meinst du schon, mit Schneegestöber
Hab' der Baum dich übergossen.

Doch es ist kein Schneegestöber,
Merkst es bald mit freud'gem Schrecken;
Duft'ge Frühlingsblüten sind es,
Die dich necken und bedecken.

Welch ein schauersüßer Zauber!
Winter wandelt sich in Maie,
Schnee verwandelt sich in Blüten,
Und dein Herz, es liebt aufs Neue.

Heinrich Heine (1797-1856) 


Ich wandere den ganzen Tag, um den Frühling zu suchen und meine Schuhe gehen kaputt. Am Abend habe ich den Frühling noch nicht gefunden. Ich kehre heim und sehe eine Kirschblüte in meinem Garten. Der Frühling ist da.

Aus China


Eine Viertelstunde Frühling ist mehr wert als ein Sack Gold.

Aus China


Frühlingswetter ändert sein Gesicht fortwährend.

Aus China


Den ersten April musst überstehen, dann kann dir manches Guts geschehen.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


Kein Aprilwetter schlägt so rasch um wie die Stimmung der Menge.

Peter Rosegger (1843-1918)


Wie's im April und Mai war,
so schließt man aufs Wetter im ganzen Jahr.

Bauernweisheit


Wohl hundertmal schlägt das Wetter um,
das ist des Aprils Privilegium.

Bauernweisheit 


Am ersten April, schickt man die Narren, wohin man will.

Deutsches Sprichwort


Ist der April auch noch so gut,
er schneit dem Bauern auf den Hut.

Deutsches Sprichwort

Der April macht was er will.

Bauernweisheit


Ist der Palmsonntag hell und klar,
so gibt‘s ein fruchtbar Jahr.

Bauernweisheit


Die Sitte des In-den-April-Schickens ist bei uns lange nicht genug verbreitet und geübt. Der erste April müsste ein wahrer Festtag für die Nation werden, ein Dies Saturnalis – in jedem Falle ein liebenswürdigerer Feiertag als mancher offizielle.

Christian Morgenstern (1871-1914)


Ein Aprilmonat kann kaum so schnell mit der Witterung wechseln, als die Franzosen mit der Kleidung.

Heinrich von Kleist (1777-1811)


Der April ist der rechte und gesegnete Monat des Gärtners. Die Verliebten sollen uns ungeschoren lassen mit ihrem vielgepriesenen Mai; im Mai blühen die Bäume und Blumen nur, aber im April schlagen sie aus; glaubt mir, dieses Keimen und Ausschlagen, diese Knospen, Knösplein und Keimlinge sind die größten Wunder der Natur.

Karel Capek (1890-1938)


Maientau macht grüne Au, Maienfröste unnütze Gäste.

Bauernweisheit

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