Präsentiert vom Sailer Verlag - Deutschlands großer Wissensverlag für Kinder
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Weihnachtsgedichte für Kinder

Weihnachtsgedichte für Kinder

Erinnern Sie sich an Advent und Weihnachten Ihrer Kindheit? Durchs Haus zieht Plätzchen-Duft, Wunschzettel werden geschrieben, am Fensterbrett steht ein Rauschgoldengel und die Kinder sagen Gedichte zu Weihnachten auf.

Erinnerungen an Weihnachten gehören zu den kostbarsten Schätzen unseres Lebens. Damit Sie mit Ihrer Familie den Weihnachtszauber ganz entspannt erleben können, haben die Redakteure von Schule und Familie die allerschönsten Weihnachtsgedichte, Sprüche und Zitate zusammengestellt. Unsere Verse können Sie gemeinsam lesen oder mit Ihrem Kind auswendig lernen und am Heiligen Abend unter dem Christbaum vortragen.

Weihnacht

Maria und Josef mit dem Jesuskind in der Krippe

Ich bin der Tischler Josef,
Meine Frau, die heißet Marie.
Wir finden kein’ Arbeit und Herberg’
Im kalten Winter allhie.

Habens der Herr Wirt vom goldnen Stern
Nicht ein Unterkunft für mein Weib?
Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern,
Zu betten den schwangren Leib.

Ich hab kein Bett für Bettelleut;
Doch scherts euch nur in den Stall.
Gevatter Ochs und Base Kuh
Werden empfangen euch wohl.

Wir danken dem Herrn Wirt für seine Gnad
Und für die warme Stub.
Der Himmel lohns euch und unser Kind,
Seis Madel oder Bub.

Marie, Marie, was schreist du so sehr?
Ach Josef, es sein die Wehn.
Bald wirst du den elfenbeinernen Turm,
Das süßeste Wunder sehn.

Der Josef Hebamme und Bader war
Und hob den lieben Sohn
Aus seiner Mutter dunklem Reich
Auf seinen strohernen Thron.

Da lag er im Stroh. Die Mutter so froh
Sagt Vater Unserm den Dank.
Und Ochs und Esel und Pferd und Hund
Standen fromm dabei.

Aber die Katze sprang auf die Streu
Und wärmte zur Nacht das Kind.
Davon die Katzen noch heutigen Tags
Maria die liebsten Tiere sind.

Klabund (1890-1928)

Knecht Ruprecht

Weihnachten - Gedichte

Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,

Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,

Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;
Und morgen flieg' ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!
"Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern."

"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.
"Christkindlein sprach: "So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"

Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find'!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Theodor Storm (1817-1888)

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Es treibt der Wind im Winterwalde

Weihnachten - Gedichte

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,

Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

{BREAK}

Die Nacht vor dem heiligen Abend

Weihnachten - Gedichte

Die Nacht vor dem heiligen Abend
da liegen die Kinder im Traum.
Sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum.

Und während sie schlafen und träumen
wird es am Himmel klar
und durch den Himmel fliegen
drei Englein wunderbar.

Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der heilige Christ.
Es ist so fromm und freundlich
wie keins auf Erden ist.

Und während es über die Dächer
still durch den Himmel fliegt,
schaut es in jedes Bettlein,
wo nur ein Kindlein liegt.

Und freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind,
denn solche liebt von Herzen
das himmlische Kind.

Heut schlafen noch die Kinder
und sehen es nur im Traum,
doch morgen tanzen und springen sie
um den Weihnachtsbaum.

Robert Reinick (1805-1852)

Weihnachtszeit

Kind bläst die Kerzen am Adventskranz aus.

O schöne, herrliche Weihnachtszeit!
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.

Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein,
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Grossen und Kleinen.

Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt.
Drum lasst uns freuen und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Morgen kommt der Weihnachtsmann

Weihnachten - Gedichte

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeife und Gewehr,
Fahn und Säbel und noch mehr,
Ja ein ganzes Kriegesheer,
Möcht' ich gerne haben.

Bring' uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring' auch morgen, bringe,
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Panthertier,
Ross und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge.

Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennest unsere Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Großpapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

O heiliger Abend

Weihnachten - Gedichte

O heiliger Abend,
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!

Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
auf schau ich zum Himmel
im leisen Gebet.

Da funkelt's von Sternen
am himmlischen Saum,
da jauchzt es vom fernen,
unendlichen Raum.

Es singen mit Schalle
die Engelein alle,
ich lausche dem Halle,
mir klingt's wie ein Traum.

O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
dir gleichet doch keine
der Welten von fern!

So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!

Karl Gerok (1815 - 1890)

{BREAK}

Vor Weihnachten

Weihnachten - Gedichte

Die Kindlein sitzen im Zimmer
Weihnachten ist nicht mehr weit
bei traulichem Lampenschimmer
und jubeln: "Es schneit, es schneit!"

Das leichte Flockengewimmel,
es schwebt durch die dämmernde Nacht
herunter vom hohen Himmel
vorüber am Fenster so sacht.

Und wo ein Flöckchen im Tanze
den Scheiben vorüberschweift,
da flimmert’s in silbernem Glanze,
vom Lichte der Lampe bestreift.

Die Kindlein sehn’s mit Frohlocken,
sie drängen ans Fenster sich dicht,
sie verfolgen die silbernen Flocken,
die Mutter lächelt und spricht:

"Wißt, Kinder, die Engelein schneidern
im Himmel jetzt früh und spät;
an Puppenbettchen und Kleidern
wird auf Weihnachten genäht.

Da fällt von Säckchen und Röckchen
manch silberner Flitter beiseit,
von Bettchen manch Federflöckchen;
auf Erden sagt man: es schneit.

Und seid ihr lieb und vernünftig,
ist manches für euch auch bestellt;
wer weiß, was Schönes euch künftig
vom Tische der Engelein fällt!"

Die Mutter spricht’s; vor Entzücken
den Kleinen das Herz da lacht;
sie träumen mit seligen Blicken
hinaus in die zaubrische Nacht.

Karl Gerok (1815 - 1890)

Christbaum

Weihnachten - Gedichte

Wie schön geschmückt der festliche Raum!
Die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!

Die Mutter sitzt in der Kinder Kreis;
nun schweiget alles auf ihr Geheiß:
sie singet des Christkinds Lob und Preis.

Und rings, vom Weihnachtsbaum erhellt,
ist schön in Bildern aufgestellt
des heiligen Buches Palmenwelt.

Die Kinder schauen der Bilder Pracht,
und haben wohl des Singen acht,
das tönt so süß in der Weihenacht!

O glücklicher Kreis im festlichen Raum!
O goldne Lichter am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!

Peter Cornelius

Der Weihnachtsabend

Weihnachten - Gedichte

Schillernd weiße Flocken legen
sich auf ein Land nun voller Segen.
Der Stern von Bethlehem erhellt
die sonst so kühle Winter-Welt.

Glück, Hoffnung und Barmherzigkeit
macht sich in unsrer Wohnung breit.
Aus den Gesichtern ist für Stunden
der ganze Weihnachtsstreß verschwunden.

Wenn dann noch Kinderaugen strahlen,
vergisst man gern vergangne Qualen.
Von "will ich", "brauch ich", "muss ich haben",
als ging es nur mehr um die Gaben.

Für mich ist dieser Tag ein Traum,
gemeinsam unterm Weihnachtsbaum.
Mit denen, die mir wichtig sind.
Ich dank dir, liebes Jesus-Kind.

Klaus Heinze

Weihnachten bei den Großeltern

Weihnachten - Gedichte

Heut abend, als wir zu euch gingen,
da war in der Luft ein leises Klingen,
da war ein Rauschen, man wußt’ nicht woher,
als ob man in einem Tannenwald wär,
da huschte vorüber und ging nicht aus
ein heimliches Leuchten von Haus zu Haus.

Der Mond kam über die Dächer gesprungen:
"Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen?
Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?"
und lachte uns an mit vollem Schein.

Da lachten wir wieder: "Du alter Klöner,
heut abend ist alles anders und schöner.
Und glaubst du’s nicht, kannst mit uns gehen,
da wirst du ein blaues Wunder sehn."

Da sprang er leuchtend uns voran,
bei diesem Hause hielt er an.
Wir gingen hinein mit froher Begier,
und Klingen und Rauschen und Leuchten ist hier.

Jakob Loewenberg (1856-1929)

{BREAK}

Weihnachten

Weihnachten - Gedichte

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen
Oh du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Alles still! Alles still!

Weihnachten - Gedichte

Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Theodor Fontane (1819-1898)

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Die heilige Nacht

Weihnachten - Gedichte

Des großen Gottes Freundlichkeit;
Das Kind, dem alle Engel dienen,
Bringt Licht in meine Dunkelheit;
Und dieses Welt- und Himmelslicht
Weicht hunderttausend Sonnen nicht.

Lass dich erleuchten, meine Seele,
Versäume nicht den Gandenschein!
Der Glanz in dieser kleinen Höhle
Streckt sich in aller Welt hinein;

Es treibet weg der Höllen Macht,
Die Sünden -, Kreuz- und Todesnacht.
In diesem Lichte kannst du sehen
Das Licht der klaren Seligkeit:

Wenn Sterne, Sonn’ und Mond vergehen,
Vielleicht noch in gar kurzer Zeit,
Wird dieses Licht mit seinem Schein
Dein Himmel und dein alles sein.

Lass nur indessen helle scheinen
Dein Glaubens- und dein Liebeslicht;
Mit Gott musst du es treulich meinen,
Sonst hilft dir diese Sonne nicht:

Willst du genießen diesen Schein,
So darfst du nicht mehr dunkel sein.
Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne,
Bestrahle mich mit deiner Gunst!

Dein Licht sei meine Weihnachtswonne
Und lehre mich die Weihnachtskunst,
Wie ich im Lichte wandeln soll
Und sei des Weihnachtsglanzes voll.

Kaspar Friedrich Nachtenhöfer (1624-1685)

Verse zum Advent

Weihnachten - Gedichte

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Theodor Fontane (1819-1898)

{BREAK}

Zu einem warmen Kleidungsstück

Weihnachten - Gedichte

Weil du zuerst im Mutterarm
uns hast getragen, weich und warm
weil du manch’ kalte Winternacht
dich um den süßen Schlag gebracht,

um in des weichen Bettleins Ruh’
die Kinderlein zu decken zu,
so mögst du heute uns vergönnen,
obwohl wir’s nicht vergelten können,

dass für den Winter in der Stille
wir bringen eine warme Hülle,
um dich in ihren weichen Falten
an kalten Tagen warm zu halten.

Nimm’s freundlich! Sei nicht eingedenk,
dass so prosaisch das Geschenk;
denk’ dass schon oft die Liebe lieh
der Prosa ihre Poesie.

Ottilie Wildermuth (1817-1877)

Christkind

Süßes Kind, als Engelchen verkleidet.

Die Nacht vor dem heiligen Abend,
da liegen die Kinder im Traum;
sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum. 

Und während sie schlafen und träumen,
wird es am Himmel klar,
und durch den Himmel fliegen
drei Engel wunderbar. 

Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der Heil’ge Christ;
es ist so fromm und freundlich,
wie keins auf Erden ist. 

Und wie es durch den Himmel
still über die Häuser fliegt,
schaut es in jedes Bettchen,
wo nur ein Kindlein liegt, 

und freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind;
denn solche liebt von Herzen
das liebe Himmelskind. 

Wird sie auch reich bedenken
mit Lust aufs allerbest’
und wird sie schön beschenken
zum lieben Weihnachtsfest.

Heut schlafen noch die Kinder
und sehn es nur im Traum,
doch morgen tanzen und springen
sie um den Weihnachtsbaum.

Robert Reinick (1805-1852)

Der Bratapfel

Weihnachten - Gedichte

Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,

der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel,der Kapfel,
der gelbrote Apfel.

Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel

für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel!

Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken

den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.

Unbekannt

{BREAK}

Meiner lieben Schwiegertochter Alma

Schneebedeckte Allee von Christbäumen am Weihnachtsabend

(Weihnachten 1865)

Zeitungsbringerin,
Fliegenwedelschwingerin,
Fehllose Jägerin,
Treffliche Totschlägerin,

Liebe Beleberin,
Kleinmutes Heberin,
Sorgenabwenderin,
Trostredespenderin,

Leidens Abfragerin,
Besserungswahrsagerin,
Leisanschweberin,
Arzeneigeberin,

Stundenmahnerin,
Zeitvertreibsanbahnerin,
Temperaturspürerin,
Feuernachschürerin,

Witterungskünderin,
Lampendochtanzünderin,
Morgenbegrüßerin,
Abendrastversüßerin,

Nachtvorleserin,
Bücheramtsverweserin,
Allzeitunterhalterin,
Gesprächsstoffsentfalterin,

Wunschablauscherin,
Dienstrollentauscherin,
Allesbeschickerin,
Allesüberblickerin,

Allesbestreiterin,
Krankenkostbereiterin,
Festgabebedenkerin,
Weihnachtsentenschenkerin,

Engelverwenderin,
Enkelzuspruchsenderin,
Ordnerin, Schmückerin,
Kopfkissenrückerin,

Pfeifenkopfstopferin,
Flaschenpfropfentpfropferin,
Schlummerbecherfüllerin,
Kalter Knie Umhüllerin,

Nachtruhanwünscherin,
Wenn ich wachensmatt bin,
Heimlich schwach schachmatt bin,
Treue Mitträgerin

Mitpflegerin
Neben deiner Schwägerin,
Schwiegerkind, Söhnerin,
Versöhnerin, Beschönerin,

Unbelohnt Taglöhnerin,
Allzeit frohe Frönerin,
Liebliche Verwöhnerin:

Nimm dies Liebeszeichen hin,
Wie ich dir dankbar bin.

Friedrich Rückert (1788- 1866)

Bäume leuchtend

Christkindlesmarkt in Nürnberg

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Ganzen sich bewegend,
Alt- und junges Herz erregend

Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 -1832)

Der Stern

Plätzchenformen für Weihnachtsgebäck

Hätt einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus dem Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.

Wilhelm Busch (1832 - 1908)

Komm', schau her

Komm', schau her Jungfrau Kind,
dann siehst du in der Wiegen
den Himmel und die Erd'
und hundert Welten liegen.

Angelus Silesius (1624 - 1677)

Nächtliche Stille!

Weihnachtlich erleuchtetes Fenster

Heilige Fülle,
wie von göttlichem Segen schwer,
säuselt aus ewiger Ferne daher.
Was da lebte,
was aus engem Kreise
auf ins Weiteste strebte,
sanft und leise
sank es in sich selbst zurück
und quillt in unbewusstem Glück.

Und von allen Sternen nieder
strömt ein wunderbarer Segen,
dass die müden Kräfte wieder
sich in neuer Frische regen,
und aus seinen Finsternissen
tritt der Herr, soweit er kann,
und die Fäden, die zerrissen,
knüpft er alle wieder an.

Christian Friedrich Hebbel (1813 - 1863)

Weihnachtsfest

Mutter und Kind schmücken den Weihnachtsbaum

Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm' ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,

Alles Gute, alles Schlechte
Rechnet sich aus allem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.

Theodor Fontane (1819 - 1898)

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Es gibt tatsächlich Leute, die Weihnachtsfeste veranstalten. Ist das komisch!

Gustave Flaubert (1821)


Weihnachten: ein besonderer Tag der Völlerei, Trunksucht, Gefühlsduselei, Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und häuslichem Protzen gewidmet.

Ambrose Gwinnett Bierce (1842 - 1914)

{BREAK}

Advent

Am Adventskranz brennen vier rote Kerzen

Es treibt der Wind im Winterwalde
der Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus, den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Heiligkeit.

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

Welch Geheimnis

Ein süßes Baby mit Weihnachtsmannmütze liegt zwischen den Geschenken

Welch Geheimnis ist ein Kind!
Gott ist auch ein Kind gewesen.
Weil wir Kinder Gottes sind,
kam ein Kind, uns zu erlösen.

Welch Geheimnis ist ein Kind!
Wer dies einmal je empfunden,
ist den Kindern überall
durch das Jesuskind verbunden.

Clemens Brentano (1778 - 1842)

Es bringt euch alle Seligkeit

Ein Kirchenfenster mit der Krippenszene

Es bringt euch alle Seligkeit
die Gott der Vater hat bereit’
dass ihr mit uns im Himmelreich
sollt leben nun und ewiglich.

So merket nun das Zeichen recht:
die Krippen, Windelein so schlecht.
Da findet ihr das Kind gelegt,
das alle Welt erhält und trägt.

Des lasst uns alle fröhlich sein
und mit den Hirten gehn hinein,
zu sehen, was Gott uns hat beschert,
mit seinem lieben Sohn verehrt.

Martin Luther (1483 - 1546)


Die Geburt Jesu in Bethlehem ist keine einmalige Geschichte, sondern ein Geschenk, das ewig bleibt.

Martin Luther (1483 - 1546)


Wir fassen keinen anderen Gott als den, der in jedem Menschen ist, der vom Himmel kam. Ich fange bei der Krippe an.

Martin Luther (1483 - 1546


Es sollte uns fürwahr nichts fröhlicher sein in der Schrift als dies, dass Christus geboren ist von der Jungfrau Maria.

Martin Luther (1483 - 1546)

{BREAK}

Weihnachtsmarkt

Am Weihnachtsmarkt

Welch lustiger Wald um das hohe Schloss
hat sich zusammengefunden,
Ein grünes bewegliches Nadelgehölz,
Von keiner Wurzel gebunden!

Anstatt der warmen Sonne scheint
Das Rauschgold durch die Wipfel;
Hier backt man Kuchen, dort brät man Wurst,
Das Räuchlein zieht um die Gipfel.

Es ist ein fröhliches Leben im Wald,
Das Volk erfüllet die Räume;
Die nie mit Tränen ein Reis gepflanzt,
Die fällen am frohsten die Bäume.

Der eine kauft ein bescheidnes Gewächs
Zu überreichen Geschenken,
Der andre einen gewaltigen Strauch,
Drei Nüsse daran zu henken.

Dort feilscht um ein winziges Kieferlein
Ein Weib mit scharfen Waffen;
Der dünne Silberling soll zugleich
Den Baum und die Früchte verschaffen.

Mit rosiger Nase schleppt der Lakai
Die schwere Tanne von hinnen;
Das Zöfchen trägt ein Leiterchen nach,
Zu ersteigen die grünen Zinnen.

Und kommt die Nacht, so singt der Wald
Und wiegt sich im Gaslichtscheine;
Bang führt die ärmste Mutter ihr Kind
Vorüber am Zauberhaine.

Einst sah ich einen Weihnachtsbaum:
Im düsteren Bergesbanne
Stand reifbezuckert auf dem Grat
die alte Wettertanne.

Und zwischen den Ästen waren schön
Die Sterne aufgegangen;
Am untersten Ast sah man entsetzt
Die alte Wendel hangen.

Hell schien der Mond ihr ins Gesicht,
Das festlich still verkläret;
Weil auf der Welt sie nichts besaß,
Hatt' sie sich selbst bescheret.

Gottfried Keller (1819 - 1890)


Nach Hause kommen, das ist es, was das Kind von Bethlehem allen schenken will, die weinen, wachen und wandern auf dieser Erde.

Friedrich von Bodelsc


Weihnachten

Adventskalender und Weihnachtsdekoration

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh' ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins weite Feld,
Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
Wie so still und weit die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (1788 - 1857)

Die Flucht der heiligen Familie

Krippenszene

Länger fallen schon die Schatten,
durch die kühle Abendluft,
waldwärts über stille Matten
schreitet Joseph von der Kluft.

Führt den Esel treu am Zügel;
linde Lüfte fächeln kaum,
’sind der Engel eise Flügel,
die das Kindlein sieht im Traum.

Und Maria schauet nieder
auf das Kind voll Lust und Leid,
singt im Herzen Wiegenlieder
in der stillen Einsamkeit.

Die Johanneswürmchen kreisen,
emsig leuchtend übern Weg,
wollen der Mutter Gottes weisen
durch die Wildnis jeden Steg.

Und durchs Gras geht süßes Schaudern,
streift es ihres Mantels Saum;
Bächlein auch lässt jetzt sein Plaudern,
und die Wälder flüstern kaum,

dass sie nicht die Flucht verraten.
Und das Kindlein hob die Hand,
da sie ihm so Liebes taten,
segnete das stille Land,

dass die Erd’ mit Blumen, Bäumen
fernerhin in Ewigkeit
nächtlich muss vom Himmel träumen -
o gebenedeite Zeit!

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (1788 - 1857)

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Herrliche Weihnachtszeit

Rentier und Baby mit Weihnachtsmann-Anzug

O schöne, herrliche Weihnachtszeit,
was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.

Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein,
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und die Reichen,

die Großen und die Kleinen.
Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt.

Drum lasset uns freu’n und dankbar sein!
Es denkt auch unser, mein und dein.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)

{BREAK}

Vom Honigkuchenmann

Lebkuchen am Weihnachten

Keine Puppe will ich haben -
Puppen gehn mich gar nichts an.
Was erfreu’n mich kann und laben
Ist ein Honigkuchenmann.

So ein Mann mit Leib und Kleid
durch und durch an Süßigkeit.
Stattlicher als eine Puppe
Sieht ein Honigkerl sich an,

Eine ganze Puppengruppe
Mich nicht so erfreuen kann.
Aber seh ich recht dich an,
Dauerst du mich, lieber Mann.

Denn du bist zum Tod erkoren -
Bin ich dir auch noch so gut,
Ob du hast ein Bein verloren.
Ob das andre weh dir tut:

Armer Honigkuchenmann,
Hilft dir nicht, du musst doch ran.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)

Weihnachten

Hunde mit Weihnachtsmannmützen

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fern her Kirchenglocken
mich lieblich heimatlich verlocken
in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
anbetend, staunend muss ich stehn;
es sinkt auf meine Augenlider
ein goldner Kindertraum hernieder,
ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm (1817 - 1888)

Weihnachtsabend

Kuss unterm Mistelzweig

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinder Jubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein blasses Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
erkannt ich im Vorübergehen nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlass;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfasste mich die Angst im Herzen so,
als säss’ mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm (1817 - 1888)

Weihnachtslied

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht.
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muss ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist gescheh’n.

Theodor Storm (1817 - 1888)

Es wird Weihnachten

Es wird Weihnachten! Mein ganzes Haus riecht schon nach braunem Kuchen – versteht sich nach Mutters Rezept –, und ich sitze sozusagen schon seit Wochen im Scheine des Tannenbaums. Ja, wie ich den Nagel meines Daumens besehe, so ist auch der schon halbwegvergoldet.

Theodor Storm (1817 - 1888)

{BREAK}

Weihnachten – Es war immer mein schönstes Fest.

Theodor Storm (1817 - 1888)


Christkindchen

Wo die Zweige am dichtesten hangen,
die Wege am tiefsten verschneit,
da ist um die Dämmerzeit
im Walde das Christkind gegangen.

Es mußte sich wacker plagen,
denn einen riesigen Sack
hat's meilenweit huckepack
auf den schmächtigen Schultern getragen.

Zwei spielende Häschen saßen
geduckt am schneeigen Rain.
Die traf solch blendender Schein,
daß sie das Spielen vergaßen.

Doch das Eichhorn hob schnuppernd die Ohren
und suchte die halbe Nacht,
ob das Christkind von all seiner Pracht
nicht ein einziges Nüßchen verloren.

Anna Ritter (1865 - 1921)

Knecht Ruprecht

Weihnachtsteddy

Ruprecht:
Habt guten Abend, Alt und Jung,
Bin allen wohl bekannt genug.
Von drauss' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor;

Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;

Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!
So geh denn rasch von Haus zu Haus,
Such mir die guten Kinder aus,

Damit ich ihrer mag gedenken,
Mit schönen Sachen sie mag beschenken."
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:

Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern."
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;

Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"

Von drauss' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Vater:
Die Kinder sind wohl alle gut,
Haben nur mitunter was trotzigen Mut.

Ruprecht:
Ei, ei, für trotz'gen Kindermut
Ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?

Vater:
Wie einer sündigt, so wird er gestraft;
Die Kinder sind schon alle brav.

Ruprecht:
Stecken sie die Nas' auch tüchtig ins Buch,
Lesen und schreiben und rechnen genug?

Vater:
Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
Wir hoffen zu Gott, dass es endlich schafft.

Ruprecht:
Beten sie denn nach altem Brauch
Im Bett ihr Abendsprüchlein auch?

Vater:
Neulich hört ich im Kämmerlein
Eine kleine Stimme sprechen allein;
Und als ich an die Tür getreten,
Für alle Lieben hört ich sie beten.

Ruprecht:
So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuss;
Probiert einmal von seinen Gaben,
Morgen sollt ihr was Besseres haben.

Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
Nun schlafet sanft, habt gute Nacht.

Theodor Storm (1817 - 1888)

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Es kommt ein Schiff

Kristalle als Weihnachtsdekoration

Es kommt ein Schiff, geladen
bis an den höchsten Bord.
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewig's Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,
trägt eine teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilige Geist der Mast.

Der Anker haft' auf Erden,
da ist das Schiff an Land.
Das Wort soll Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muss es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden
groß Pein und Marter viel.

Danach mit ihm auch sterben
und geistlich aufersteh'n,
das Leben zu ererben,
wie an ihm ist geschehn.

Johannes Tauler (ca. 1300-1361)

Christkindlein trat zum Apfelbaum

Weihnachtslied

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
Erweckt ihn aus dem Wintertraum –
„Schenk Apfel süß, schenk Apfel zart,
Schenk Äpfel mir von aller Art!“
Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
Der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel rings umher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.

Ernst von Wildenbruch (1845 - 1909)

Macht hoch die Tür

Weihnachtsengelchen

Macht hoch die Tür, die Tore weit!
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich’,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Georg Weissel (1590 - 1635)


Komm, o mein Heiland Jesus Christ,

meins Herzens Tür dir offen ist.

Georg Weissel (1590 - 1635)


Nach Bethlehem

Weihnachtskrippe

Nach Bethlehem zu gehen,
Treib Liebe uns dahin,
Das Kindlein anzusehen
Mit dankerfülltem Sinn.

Es schuf dein mächtig Werden
Die Welten Groß und Klein,
Fürst Himmels, Fürst der Erden,
Willst nun uns Bruder sein.

Doch wo sind Diener, Knechte,
Für deine Königsmacht?
Kein Zepter trägt die Rechte,
Wo ist des Thrones Pracht?

Dich rief ja nur Erbarmen
Mit unsrer Menschenschuld,
Du wolltest auch mich Armen
Befrein von Sündenschuld.

Unbekannt

Die Freude fällt uns in die Hände

Die Freude fällt uns in die Hände;
Die bloße Kunst nur, sich zu freu'n
Die will geübt, errungen sein!

Wenn sie auch jeder Narr verstände,
Dann wär sie für Weise nicht;
Die Freud'entflieht berauschten Tagen
Mit weggewandtem Angesicht.

Sie fliehet, weil wir nach ihr jagen,
Der Tor erlebt sie, fühlt sie nicht.

Sie liebt die stiller'n Seelenlagen,
Hebt Wehmuth selbst zu sich hinauf
Und sucht uns in bewölkten Tagen
In unser'm eig'nen Herzen auf.

Christoph August Tiedge (1752 - 1841)

{BREAK}

Die Heilige Nacht

Tannenzweige

So ward der Herr Jesus geboren
Im Stall bei der kalten Nacht.
Die Armen, die haben gefroren,
Den Reichen ward's warm gemacht.

Sein Vater ist Schreiner gewesen,
Die Mutter war eine Magd.
Sie haben kein Geld nicht besessen,
Sie haben sich wohl geplagt.

Kein Wirt hat ins Haus sie genommen:
Sie waren von Herzen froh,
Dass sie noch in Stall sind gekommen.
Sie legten das Kind auf Stroh.

Die Engel, die haben gesungen,
dass wohl ein Wunder gescheh'n.
Da kamen die Hirten gesprungen
Und haben es angeseh'n.

Die Hirten, die will es erbarmen,
Wie elend das Kindlein sei.
Es ist eine G'schicht' für die Armen,
Kein Reicher war nicht dabei.

Ludwig Thoma (1867 - 1921)


Lob, Preis und dank, Herr Jesu Christ,

sei dir von mir gesungen,
dass du mein Bruder worden bist
und hast die Welt bezwungen.

Johann Rist (1607 - 1666)


Das Christkind

Verkleidete Kinder an Weihnachten

Die Nacht vor dem Heiligen Abend,
da liegen die Kinder im Traum.
Sie träumen von den schönen Sachen
Und von dem Weihnachtsbaum.

Und während sie schlafen und träumen,
wird es am Himmel klar,
und durch den Himmel fliegen
drei Engel wunderbar.

Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der Heilige Christ.
Es ist so fromm und freundlich,
wie keins auf Erden ist.

Und wie es durch den Himmel
still über die Häuser fliegt;
Schaut es in jedes Bettchen,
wo nur ein Kindlein liegt.

Es freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind,
denn solche liebt von Herzen
das liebe Himmelskind.

Heut schlafen noch die Kinder
Und sehen es nur im Traum.
Doch morgen tanzen und springen
Sie um den Weihnachtsbaum.

Robert Reinick (1805 - 1852)


Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; 

das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit,
und dieses Welt- und Himmelslicht
weicht hunderttausend Sonnen nicht.

Kaspar Friedrich Nachtenhöfer (1624 - 1685)

Nun stehn im Himmelskreise

Nun stehn im Himmelskreise
die Stern' in Majestät.
In stetem, festen Gleise
der goldne Wagen geht.
Und gleich den Sternen lenket
Er deinen Weg durch Nacht:
Wirf ab Herz, was dich kränket
und was dir bange macht.

Johann Gottfried Kinkel (1815 - 1882)


Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel.

James Henry Leigh Hunt (1784 - 1859)


Jedesmal

Bunte Christbaumkugeln

Jedesmal,
wenn zwei Menschen einander verzeihen,
ist Weihnachten.

Jedesmal,
wenn Ihr Verständnis zeigt für Euere Kinder,
ist Weihnachten.

Jedesmal,
wenn Ihr einem Menschen helft,
ist Weihnachten.

Jedesmal,
wenn ein Kind geboren wird,
ist Weihnachten.

Jedesmal,
wenn Du versuchst, Deinem Leben
einen neuen Sinn zu geben,
ist Weihnachten.

Jedesmal,
wenn Ihr einander anseht
mit den Augen des Herzens,
mit einem Lächeln auf den Lippen,
ist Weihnachten.

Aus Brasilien


Träufelt ihr Himmel, gebt uns im Regen

den Herrn der Gerechtigkeit, unsere Zier.
Öffne dich Erde mit neuem Bewegen,
bring uns den Heiland der Menschen herfür.

Angelus Silesius (1624 - 1677)


Engel

Engel, die Gott zugesehen
Sonn' und Mond und Sterne bauen,
sprachen: Herr, es ist auch schön,
mit dem Kind ins Nest zu schauen.

Clemens Brentano (1778 - 1842)

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Vom Himmel hoch

Mädchen schmückt den Baum mit Christbaumkugeln

Vom Himmel hoch, da komm ich her.
Ich bring euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring ich so viel,
Davon ich singen und sagen will:

Euch ist ein Kindlein heut geborn
Von einer Jungfrau auserkorn,
Ein Kindelein, so zart und fein,
Das soll eur Freud und Wonne sein.

Es ist der Herr Christ, unser Gott,
Der will euch führn aus aller Not,
Er will eur Heiland selber sein,
Von allen Sünden machen rein.

Er bringt euch alle Seligkeit,
Die Gott der Vater hat bereit,
Dass ihr mit uns im Himmelreich
Sollt leben nun und ewiglich.

So merket nun das Zeichen recht:
Die Krippe, Windelein so schlecht,
Da findet ihr das Kind gelegt,
Das alle Welt erhält und trägt.

Des lasst uns alle fröhlich sein
Und mit den Hirten gehn hinein,
Zu sehn, was Gott uns hat beschert,
Mit seinem lieben Sohn verehrt.

Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin!
Was liegt dort in dem Krippelein?
Wes ist das schöne Kindelin?
Es ist das liebe Jesulin.

Sei mir willkomm du edler Gast!
Den Sünder nicht verschmähet hast
Und kömmst ins Elend her zu mir,
Wie soll ich immer danken dir?

Ach, Herr, du Schöpfer aller Ding,
Wie bist du worden so gering,
Dass du da liegst auf dürrem Gras,
Davon ein Rind und Esel aß!

Und wär die Welt vielmal so weit,
Von Edelstein und Gold bereit,
So wär sie doch dir viel zu klein,
Zu sein ein enges Wiegelein.

Der Sammet und die Seide dein,
Das ist grob Heu und Windelein,
Darauf du König groß und reich
Herprangst, als wärs dein Himmelreich.

Das hat also gefallen dir,
Die Wahrheit anzuzeigen mir:
Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
Vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.

Ach, mein herzliebes Jesulein,
Mach dir ein rein, sanft Bettelein,
Zu ruhen in meins Herzens Schrein,
Das ich nimmer vergesse dein.

Davon ich allzeit fröhlich sei,
Zu springen, singen immer frei
Das rechte Susaninne schon,
Mit Herzenslust den süßen Ton.

Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
Der uns schenkt seinen einzigen Sohn.
Des freuen sich der Engel Schar
Und singen uns solchs neues Jahr.

Martin Luther (1483 - 1546)


Die Fenster unserer Herzen: Machen wir sie auf für das Licht, für die Sonne am Tag und die Sterne in der Nacht. Kommt Licht in unsere Augen, dann kommt auch Licht in unser Herz.

Unbekannt


Friede auf Erden

Am Adventskranz brennen drei Kerzen

Da die Hirten ihre Herde
Ließen und des Engels Worte
Trugen durch die niedre Pforte
Zu der Mutter und dem Kind,
Fuhr das himmlische Gesind
Fort im Sternenraum zu singen,
Fuhr der Himmel fort zu klingen:
"Friede, Friede! auf der Erde!"

Seit die Engel so geraten,
O wie viele blutge Taten
Hat der Streit auf wildem Pferde,
Der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher heil'gen Nacht
Sang der Chor der Geister zagend,
Dringlich flehend, leis verklagend:
"Friede, Friede...auf der Erde!"

Doch es ist ein ew'ger Glaube,
Dass der Schwache nicht zum Raube
Jeder frechen Mordgebärde
Werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
Webt und wirkt in Mord und Grauen,
Und ein Reich will sich erbauen,
Das den Frieden sucht der Erde.

Mählich wird es sich gestalten,
Seines heil'gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
Und ein königlich Geschlecht
Wird erblühn mit starken Söhnen,
Dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede auf der Erde!

Conrad Ferdinand Meyer (1825 - 1898)

Weihnachten kommt näher

Bunte Christbaumkugeln

Weihnachten kommt näher.
Die Gänse werden fetter.
Gebt einen Groschen
dem armen alten Bettler!
Habt ihr keinen Groschen
ein halber tuts zur Not
und wenn ihr keinen habt,
dann helf euch Gott!

Aus England

Weihnachten

Weihnachten ist ein Fest für die Menschheit.
Es kömmt über einen und legt
sich warm und weich auf einen
und duftet nach Tannen und Wachskerzen und
Lebkuchenmännern und
nach vielem, was es gab, und nach vielem,
was es geben wird.

Unbekannt

Hoffnung

Hoffnung ist etwas
das wir zum Leben brauchen.
Denn wer könnte
ohne Hoffnung leben?
Ohne die Aussicht, das Vertrauen, die Möglichkeit,
dass etwas kommt
und zwar etwas Wichtiges und
Wesentliches
vielleicht ist Weihnachten
nicht so sehr das Fest der Liebe
sondern der Hoffnung?

Unbekannt

Bereitet die Wege!

Bereitet die Wege!
Bereitet die Bahn!
Bereitet die Wege
und machet die Stege
im Glauben und Leben
dem Höheren ganz eben,
Messias kommt an!

Salomo Franck (1659 - 1725)

O Heiliger Abend 

O Heiliger Abend mit Sternen besät,
wie lieblich und labend dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel, vom Lichtergewimmel
aufschau ich gen Himmel in leisem Gebet.

Karl Gerok (1815 - 1890)

{BREAK}

Heilige Nacht

Hunde mit Weihnachtsbaum

Geboren ward zu Bethlehem
ein Kindlein aus dem Stamme Sem.
Und ist es auch schon lange her,
seit's in der Krippe lag,
so freun sich doch die Menschen sehr
bis auf den heutigen Tag.

Minister und Agrarier
Bourgeois und Proletarier –
es feiert jeder Arier
zu gleicher Zeit und überall
die Christgeburt im Rindviehstall.

(Das Volk allein, dem es geschah,
das feiert lieber Chanukka.)

Erich Mühsam (1878 - 1934)

Die Heiligen drei Könige

Die Heiligen drei Könige aus Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
"Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?"

Heinrich Heine (1797 - 1856)


Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen.

Paul Gerhardt (1607


Sehet, was hat Gott gegeben:

seinen Sohn zum ew'gen Leben.
Dieser kann und will uns heben
aus dem Leid in Himmels Freud.

Paul Gerhardt (1607 - 1676)


Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr

haben schon manchen um die Besinnung gebracht.

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934)


O Weihnachtsbaum

Weihnachtsbäume

O Weihnachtsbaum,
O Weihnachtstraum!
Wie erloschen ist dein Glanz,
Wie zerstoben ist der Kranz,
Der um dich den Freudentanz
Schlang zur Weihnachtsfeier.

O Weihnachtsbaum,
O Weihnachtstraum!
Der du noch an jedem Ast
Halbverbrannte Kerzen hast;
Denn wir löschten sie mit Hast
Mitten in der Feier.

O Weihnachtsbaum,
O Weihnachtstraum!
Jeder Zweig ist noch beschwert,
Und kein Naschwerk abgeleert.
Ach, dass du so unverheert
Überstandst die Feier.

O Weihnachtsbaum,
O Weihnachtstraum!
Mit den Früchten unverzehrt,
Mit den Kerzen unversehrt,
Steh, bis Weihnacht wiederkehrt,
Steh zur Todtenfeier.

O Weihnachtsbaum,
O Weihnachtstraum!
Wenn wir neu dich zünden an,
Kaufen wir kein Englein dran;
Unsre beiden Englein nahn
Drobenher zur Feier.

Friedrich Rückert (1788 - 1866)

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Christbaum

Lebkuchenhaus vorm Weihnachtsbaum

Wie schön geschmückt der festliche Raum!
die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum!
o fröhliche Zeit, o seliger Traum!
Die Mutter sitzt in der Kinder Kreis;

nun schweiget Alles auf ihr Geheiß:
sie singet des Christkind’s Lob und Preis.
Und rings, vom Weihnachtsbaum erhellt,
ist schön in Bildern aufgestellt

des heiligen Buches Palmenwelt.
Die Kinder schauen der Bilder Pracht,
und haben wohl des Singens acht,
das tönt so süß in der Weihenacht!

O glücklicher Kreis im festlichen Raum!
o gold’ne Lichter am Weihnachtsbaum!
o fröhliche Zeit! o seliger Traum!

Peter Carl August Cornelius (1824 - 1874)

O Tannenbaum

Weihnachten - Gedichte

O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Wie treu sind deine Blätter.
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,
Nein auch im Winter wenn es schneit.
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Wie grün sind deine Blätter!

O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Du kannst mir sehr gefallen!
Wie oft hat schon zur Winterszeit
Ein Baum von dir mich hoch erfreut!
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Du kannst mir sehr gefallen!

O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Dein Kleid will mich was lehren:
Die Hoffnung und Beständigkeit
Gibt Mut und Kraft zu jeder Zeit!
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Dein Kleid will mich was lehren.

Ernst Gebhard Salomon Anschütz (1780-1861)

Christnacht

Lebkuchenherzen am Weihnachtsmarkt

Wieder mit Flügeln, aus Sternen gewoben,
Senkst du herab dich, o heilige Nacht;
Was durch Jahrhunderte alles zerstoben –
Du noch bewahrst deine leuchtende Pracht.

Ging auch der Welt schon der Heiland verloren,
Der sich dem Dunkel der Zeiten entrang,
Wird er doch immer aufs neue geboren,
Nahst du, Geweihte, dem irdischen Drang.

Selig durchschauernd kindliche Herzen,
Bist du des Glaubens süßester Rest;
Fröhlich begangen bei flammenden Kerzen,
Bist du das schönste, das menschlichste Fest.

Leerend das Füllhorn beglückender Liebe,
Schwebst von Geschlecht zu Geschlecht du vertraut
Wo ist die Brust, die verschlossen dir bliebe,
Nicht dich begrüßte mit innigstem Laut?

Und so klingt heut noch das Wort von der Lippe,
Das einst in Bethlehem preisend erklang,
Strahlet noch immer die lieblichste Krippe
Tönt aus der Ferne der Hirten Gesang

Was auch im Sturme der Zeiten zerstoben
Senke herab dich in ewiger Pracht,
Leuchtende du, aus Sternen gewoben,
Frohe, harzduftende, heilige Nacht!

Ferdinand von Saar (1833 - 1906)


Wenn das Haus durchsichtig wird, gehören die Sterne mit zum Fest.

Hugo von Hofmannsthal (1874 - 1929)

Weihnachten

Laterne am Weihnachtsmarkt

Weißer Flöckchen Schwebefall,
Stille Klarheit überall,
Glockenklang und Schellenklingen,
Mäulchen, die vom Christkind singen,
Flammen, die von grünen Zweigen
Gläubig, strahlend aufwärts steigen,
Und im tiefsten Herzen drinnen

Ein Erinnern, ein Besinnen
Neige dich, mein Herz, und bete,
Dass das Christkind zu dir trete,
Auch in deiner Schwachheit Gründen
Eine Flamme zu entzünden,
Die das Ringen Deiner Tage
Gläubig strahlend aufwärts trage.

Anna Ritter (1865 - 1921)


Abwärts wend' ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen Nacht – fernab liegt die Welt, wie versenkt in eine tiefe Gruft, wie wüst und einsam ihre Stelle!

Novalis (1772 - 1801)

In der Christnacht

Weihnachtsbeleuchtung

Ein Bettelkind schleicht durch die Gassen
der Markt lässt seine Wunder sehn:
Lichtbäumchen, Spielzeug, bunte Massen.
Das Kind blieb traumverhalten stehn.

Aufseufzt die Brust, die leidgepresste,
die Wimpern sinken tränenschwer.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste
ich weiß kein Leid, das tiefer wär.

Im Prunksaal gleißt beim Kerzenscheine
der Gaben köstliches Gemisch,
und eine reichgeputzte Kleine
streicht gähnend um den Weihnachtstisch.

Das Schönste hat sie längst, das Beste,
ihr Herz ist satt und wünscht nichts mehr.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste
ich weiß kein Leid, das tiefer wär.

Doch gälts in Wahrheit zu entscheiden,
wer des Erbarmens Preis verdient
ich sprach: Das ärmste von euch beiden
bist du, du armes reiches Kind!

Ottokar Kernstock (1848 - 1928)


Ein Fest naht, ein Fest wie kein anderes. für alle, die guten Willens sind. Ein Fest, dessen Geist die Welt umspannt und über Berge und Täler die Botschaft verkündet: Christ ist geboren.

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934)

 


Weihnachts-Kantilene

Nikolaus

Maria war zu Bethlehem,
Wo sie sich schätzen lassen wollte;
Da kam die Zeit, dass sie gebären sollte;
Und sie gebar ihn

Und als sie ihn geboren hatte
und sah den Knaben nackt und bloß;
Fühlt sie sich selig, fühlt sich groß,
und nahm voll Demut ihn auf ihren Schoß

Und freuet sich in ihrem Herzen fein,
berührt den Knaben zart und klein
Mit Zittern und mit Benedei'n,
und wickelt ihn in Windeln ein

Und bettete ihn sanft in eine Krippe hin.
Sonst war kein Raum für ihn.
Vor Gott gehts göttlich her,
und nicht nach Stand und Würden.

Herodem lässt er leer,
mit seinem ganzen Heer;
Und Hirten auf dem Felde bei den Hürden
Erwählet er.

Sie saßen da und hüteten im Dunkeln ihre Herde,
mit unbefangnen, frommen Sinn;
Da stand vor ihnen an der Erde,
Ein Engel Gottes… und trat zu ihnen hin,

und sie umleuchtete des Herren Klarheit,
und er sagte ihnen die Wahrheit.
Und eilend auf sie standen,
Gen Bethlehem zu gehn,

und kamen hin und fanden,
Ohn' weiteres zu verstehn.
Maria und Joseph beide.
Und in der Krippe lag zu ihrer großen Freude,

in seinem Windelkleide,
auf Grummet von der Weide,
der Knabe wunderschön.
Die Väter hoffeten auf ihn mit Tränen

und mit Flehn,
und sehnten sich, den Tag des Herrn zu sehn,
und sahn ihn nicht.
Was Gott bereitete,

und von der Welt her heimlich und verborgen war,
ward in der Zeiten Fülle offenbar.
Die Weisen fielen vor ihm nieder,
und gaben ihre Schätze gern,

Und gaben Weihrauch, Gold und Myrrhen.
Sie sahen seinen Stern,
und kannten ihren Heiland, ihren Herrn,
und ließen sich das Heu und Stroh nicht irren.

Dem Menschen dünkt es wunderbar,
und mag es nicht verstehn;
doch ist's wahrhaftig wahr!
und selig sind die Augen die ihn sehn.

Matthias Claudius (1740 - 1815)


Ich werde Weihnachten in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr hindurch aufzuheben.

Charles Dickens (1812 - 1870)

{BREAK}

Es ist ein Ros' entsprungen

Weihnachten - Gedichte

Es ist ein Ros' entsprungen
Aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
Aus Jesse kam die Art
Und hat ein Blümlein bracht,
Mitten im kalten Winter,
Wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein das ich meine,
Davon Jesaias sagt:
Ist Maria, die Reine,
Die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ew'gen Rat
Hat sie ein Kind geboren
Und blieb ein' reine Magd.

Den Hirten auf dem Felde
Verkünd't das englisch' Heer,
Wie zur selbigen Stunde
Christus geboren wär'
Zu Bethle'm in der Stadt,
Da sie das Kindlein finden,
Wie ihn'n der Engel g'sagt.

Das Blümelein so kleine,
Das duftet uns so süß,
Mit seinem hellen Scheine
Vertreibt's die Finsternis.
Wahr' Mensch und wahrer Gott,
Hilf uns aus allem Leide,
Rettet von Sünd' und Tod.

Wir bitten dich von Herzen,
O Heiland, edles Kind,
Durch alle deine Schmerzen,
Wann wir fahren dahin
Aus diesem Jammertal,
Du wollest uns geleiten
Bis in der Engel Saal.

O Jesu, bis zum Scheiden
Aus diesem Jammertal
Laß Dein Hilf uns geleiten
Hin in den Freudensaal,
In Deines Vaters Reich,
Da wir Dich ewig loben.
O Gott, uns das verleih.

Aus dem Mittelalter

Der Seelchenbaum

Christbaum am Weihnachtsmarkt

Weit draußen, einsam im öden Raum
steht ein uralter Weidenbaum
noch aus den Heidenzeiten wohl,
verknorrt und verrunzelt, gespalten und hohl.

Keiner schneidet ihn, keiner wagt
vorüberzugehn, wenn's nicht mehr tagt,
kein Vogel singt ihm im dürren Geäst,
raschelnd nur spukt drin der Ost und West;

doch wenn am Abend die Schatten düstern,
hörst du's wie Sumsen darin und Flüstern.
Und nahst du der Weide um Mitternacht,
siehst sie von grauen Kindlein bewacht:

Auf allen Ästen hocken sie dicht,
lispeln und wispeln und rühren sich nicht.
Das sind die Seelchen, die weit und breit
sterben gemusst, eh' die Tauf' sie geweiht:

Im Särglein liegt die kleine Leich',
nicht darf das Seelchen ins Himmelreich.
Und immer neue, siehst es du?
in leisem Fluge huschen dazu.

Da sitzen sie nun das ganze Jahr
wie eine verschlafene Käuzchenschar.
Doch Weihnachts, wenn der Schnee rings liegt
und über die Länder das Christkind fliegt,

dann regt sich's, pludert sich's, plaudert, lacht,
ei, sind unsre Käuzlein da aufgewacht!
Sie lugen aus, wer sieht was, wer?
Ja freilich kommt das Christkind her!

Mit seinem helllichten Himmelsschein
fliegt's mitten zwischen sie hinein:
"Ihr kleines Volk, nun bin ich da
glaubt ihr an mich?" Sie rufen: "Ja!"

Da nickt's mit seinem lieben Gesicht
und herzt die Armen und ziert sich nicht.
Dann klatscht's in die Hände, schlingt den Arm
ums nächste - aufwärts schwirrt der Schwarm

ihm nach und hoch ob Wald und Wies'
ganz graden Weges ins Paradies.

Ferdinand Ernst Albert Avenarius (1856 - 1923)


In überfüllten Geschäften Weihnachtskäufe machen zu müssen, verursacht Santa Claustrophobie.

Robert Owen (1771 - 1858)


Gehet nach dem Stern der Liebe, meine Kinder!

Wilhelm Raabe (1831 - 1910)

Weihnacht zur See

Mädchen mit Weihnachstmannmütze

Weihnacht war es auf tosender See.
Haushohe Wellen an Luv und an Lee.
Am Ruder stand Jürgens Claus;
Sah bald auf den Kompass und bald voraus.

Die eisernen Speichen lenkte er fest
Und führte verwegen
Durch Sturm und Regen
Das ächzende Schiff nach West-Nord-West.

Wuchtige Seen mit schäumender Gischt
Fegten das Deck,
Doch er wich nicht vom Fleck,
Er rührte sich nicht,

Ob auch vom Südwester übers Gesicht,
Ob von der Stirn in den struppigen Bart
Das salzige, eisige Wasser ihm rann.
So etwas bleibt keinem Seemann erspart.

Jürgens Claus stand seinen Mann.
West-Nord-West lag an.
Und er sah auf den Kompass, vom Wetter umtost,
Wehrte behende dem tückischen Schwanken

Der kleinen Nadel. Doch in Gedanken
Flog er gen Ost-Süd-Ost;
Flog in ein fernes Fischerhaus.
Dort war er daheim, Jürgens Claus.

Es war ein armer,
Doch traulich warmer
Und freundlicher Raum.
Die Kuckucksuhr war eben verklungen.

Still malte der Feuerschein an den Wänden.
Im Lehnstuhl unter dem Weihnachtsbaum
Saß Mutter und hielt wie im Traum
In ihren alten, zitternden Händen

Den letzten Brief von ihrem Jungen.
Er wusste, er war ja ihr einziges Glück.
'Was ist der Kurs?' erklang es von oben.
'Recht West-Nord-West!' gab Claus zurück.

Die eisernen Speichen lenkte er fest
Und führte voll Kraft und kühnem Mut
Das ächzende Schiff gen West-Nord-West.
Claus Jürgens stand seinen Mann.

War es wohl salzige Meeresflut,
Was heiß ihm über die Wangen rann?

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934)

Das Weihnachtsbäumlein

Weihnachten - Gedichte

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden,
die grünen Nadeln war'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Christian Morgenstern (1871 - 1914)

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Vom Christkind

Weihnachtsengelchen

Denkt euch, ich habe das Christkind geseh'n!
Es kam aus dem Wald, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.

Denn es trug einen Sack,
der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack,
meint ihr, er wäre offen, der Sack?

Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin,
es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Anna Ritter (1865 - 1921)


O möchte es mir doch gestattet sein, jene Krippe zu sehen, in welcher der Herr einst lag. Jetzt haben wir Christen ehrenhalber die aus Lehm gefertigte Krippe entfernt und durch eine silberne ersetzt. Aber für mich ist jene, die man fortgeschafft hat, wertvoller.

Hieronymus (ca. 347-420 n.Chr.)


Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)


O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!

Johannes Daniel Falk (1768 - 1826)


Morgen, Kinder, wird's was geben,

Morgen werden wir uns freun...

Martin Friedrich Philipp Bartsch (1770 - 1833)


Die Kirche Roms hat durch die Einführung des Weihnachtsfestes das Christentum gerettet.

Paul Anton de Lagarde (1827 - 1891)


Seitdem das Wunderbare vor unsern Augen sich erfüllt hat, haben wir alle Berechnung für das Natürliche verloren.

Carl Ludwig Börne (1786 - 1837)


Wenn einer dem anderen Liebe schenkt

Weihnachten - Gedichte

Wenn einer dem anderen Liebe schenkt,
wenn die Not des Unglücklichen gemildert wird,
wenn Herzen zufrieden und glücklich sind,
steigt Gott herab vom Himmel
und bringt das Licht:
Dann ist Weihnachten.

Weihnachtslied aus Haiti

Weihnachten bewahren

Am Weihnachtsmarkt

Das ist Weihnachten bewahren.
Ich beschließe zu vergessen,
was ich für andere getan habe,
und will mich daran erinnern,
was andere für mich taten;
ich will übersehen,
was die Welt mir schuldet,
und daran denken
was ich der Welt schulde.

Ich will erkennen,
dass meine Mitmenschen genauso
wirkliche Wesen sind wie ich,
und will versuchen,
hinter ihren Gesichtern
ihre Herzen zu sehn,
die nach Freude und Frieden hungern.
Ich will das Beschwerdebuch gegen die Leistungen
des Universums schließen
Und mich nach einem Platz umsehen,
wo ich ein paar Saaten Glücklichsein säen kann.

Henry van Dyke (1852 - 1933)


Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit

steigst's wie wunderbares Singen, o du gnadenreiche Zeit.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (1788 - 1857)


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