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Montessori-Schule: Ja oder Nein?

Keine Noten, dafür Freiarbeit und gemischte Jahrgänge: So lernen Kinder an Montessori-Schulen. Doch passt diese alternative Schulform zu Ihrem Kind?
Tipps für Eltern - Tipps für Schule und Erziehung: Montessori-Schule: Ja oder Nein?
Inhaltsverzeichnis

Warum entscheiden sich so viele für eine Privatschule?

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes besuchen seit fast drei Jahrzehnten immer mehr Schülerinnen und Schüler in Deutschland private Schulen. Die Motive sind unterschiedlich: Manche Eltern wünschen sich eine konfessionelle Schule, die Ihrem Kind religiöse und soziale Werte vermittelt.

Andere fühlen sich von alternativen pädagogischen Modellen angesprochen. Reformschulen zeichnen sich durch ein ganzheitliches, oft auch anthroposophisches Konzept aus, bei dem es nicht nur um die starre Vermittlung des Lehrplans geht; Vielmehr sollen die Kinder und ihre ganz persönlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

Diese Schulen setzen einen besonderen Fokus auf die individuellen Fähigkeiten der Kinder und vermitteln Wissen ohne Leistungsdruck. Dies sagt vielen Eltern zu – besonders die Aussicht, dass sich ihre Kinder nicht mit Noten und Leistungsdruck herumplagen müssen.

Die Montessori-Schule ist die beliebteste Reformschule

Alternative Bildungsansätze verfolgen unter anderem Waldorf-Schulen und Jenaplan-Schulen. Deutschlandweit sind jedoch Montessori-Schulen am beliebtesten. Dem Montessori Dachverband Deutschland zufolge gibt es etwa 400 Einrichtungen.

Das pädagogische Konzept der Gründerin Maria Montessori (1870-1952) räumt dem kindlichen Forschungs- und Entwicklungsdrang viel Platz ein und legt Wert auf selbstbestimmtes Lernen. Ihr Konzept formulierte die Ärztin, Philosophin und Pädagogin in dem berühmten Leitsatz: „Hilf mir, meine Arbeit selbst zu tun.“ 

Was steckt hinter der Montessori-Pädagogik? 

Das Erziehungsmodell geht von der Grundannahme aus, dass jedes Kind einen eigenen Lernrhythmus hat. Es durchläuft verschiedene Entwicklungsphasen, die laut Maria Montessori durch unterschiedliche Sensibilitäten bestimmt sind. Das bedeutet: In bestimmten Phasen lernt das Kind spezifische Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben oder Rechnen besonders gut.

Die Lehrkräfte gestalten ihren Unterricht nach diesen Phasen. Sie beobachten die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler, und stehen bei Problemen und Fragen als Ratgeber zur Seite.

Das Montessori-Modell: Lernen mit allen Sinnen

Montessori-Schulen verzichten auf Frontalunterricht. Für Kinder an solchen Schulen besteht der Unterricht zum Großteil aus sogenannter Freiarbeit: Rechnen, Schreiben, Geschichte oder Erdkunde – die Schüler:innen suchen sich in dieser Zeit den Lernstoff selbstständig aus.

Das Arbeitsmaterial spricht auch Sinne wie Sehen, Fühlen, Hören, Riechen und Schmecken an. Die Kinder sollen das Erlernte ganzheitlich erfahren und den Stoff so besser verinnerlichen.

Warum verzichtet Montessori auf Noten?

Da die kindlichen Entwicklungsphasen laut Montessori individuell sind, gibt es an den Schulen jahrgangsgemischte Klassen. Die Kleinen sollen von den Großen lernen.

Um den Druck zu mindern, eine bestimmte Leistung innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu erbringen, gibt es in Montessori-Schulen weder Noten noch Hausaufgaben. Stattdessen führen die Lehrkräfte halbjährliche Einschätzungsgespräche mit den Kindern, die über den aktuellen Entwicklungsstand informieren. Die Eltern bekommen zusätzlich einen Bericht zum individuellen Entwicklungs- und Lernprozess.

Wie sieht der Abschluss an Montessori-Schulen aus?

Am Ende der neunten Klasse steht für alle Schülerinnen und Schüler u.a. mit der „Großen Praktischen Arbeit“ der Montessori-Abschluss an. Darüber hinaus sind, abhängig von den einzelnen Einrichtungen, alle Abschlüsse möglich: vom Hauptschulabschluss bis hin zum Abitur. Die Prüfungen werden meistens an einer staatlichen Schule abgelegt.

Wie klappt der Übertritt an eine Regelschule?

Schülerinnen und Schüler von Montessori-Schulen haben nicht automatisch Probleme, wenn sie an eine staatliche Schule wechseln oder eine weiterführende Schule besuchen. Manchmal verlangen weiterführende Schulen von ehemaligen Montessori-Schülern jedoch, dass sie an einem   Probeunterricht teilnehmen oder einen Eignungstest absolvieren.

Ist das Montessori-Konzept für jedes Kind geeignet?

Der Besuch der Montessori-Schule hat viele Vorteile: Ihr Kind kann nach individuellem Rhythmus lernen und macht seine eigenen Erfahrungen. Trotz der freien Stuktur gibt es auch an den Reformschulen Regeln, an die sich Ihr Kind halten muss. Zentrale Lernthemen nach Montessori sind nicht zuletzt soziales Verhalten, Achtung, Respekt und Verantwortlichkeit anderen gegenüber. Die Lehrkräfte fördern insbesondere die Selbstständigkeit der Kinder.

Dennoch sollten Sie sich sehr gut informieren, bevor Sie ihr Kind an einer Montessori-Schule anmelden. Das pädagogische Konzept sollte Ihren eigenen Werten entsprechen und von Ihnen mitgetragen werden. Schließlich wird an Montessori-Schulen überdurchschnittlich großes Eltern-Engagement erwartet. Außerdem fallen für den Schulbesuch Gebühren an. 

Bedenken Sie auch: Manche Kinder brauchen mehr Struktur. Sie sind vielleicht motivierter, wenn sie für Hausaufgaben und Leistungstest direktes Feedback in Form von Noten erhalten.

Regelschulen sind besser als ihr Ruf!

Wegen der Konkurrenz von Ersatz-Schulen bemühen sich staatliche Lehranstalten häufig darum, ihr staubiges Image abzulegen. Statt auf üblichen Frontalunterricht setzen auch sie längst auf Methodenvielfalt und praxisorientiertes Lernen. Die Kinder haben mehr Eigenverantwortung und Freiheit. Auch das soziale Miteinander steht mehr im Mittelpunkt.

Der Vorteil von (kostenlosen) Regelschulen besteht auch darin, dass sie in der Nähe des Wohnortes liegen. Ihr Kind kann so auch in der Freizeit Kontakt zu Klassenkameraden pflegen.

Das vielleicht gewichtigste Argument liefert eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2018. Ihr zufolge erzielen Schüler an Privatschulen keine besseren Leistungen als Kinder, die eine öffentliche Schule besuchen.

Häufig gestellte Fragen

Was sind (mögliche) Vorteile der Montessori Schule?

  • individuelle Interessen und Begabungen werden gefördert
  • altersgerechtes Lernen in Phasen
  • individuelles Lerntempo
  • fehlender Leistungsdruck
  • soziale Kompetenzen werden vermittelt (Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, etc.)
  • individuelle Betreuung
  • Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein werden gefördert

Was sind (mögliche) Nachteile der Montessori Schule?

  • nicht für jedes Kind geeignet (fehlende Strukturen)
  • Kosten
  • eventuell lange Anfahrtswege
  • Mitarbeit der Eltern ist gefordert

Welche Schulabschlüsse kann man an einer Montessori Schule machen?

Alle staatlichen Schulabschlüsse können Montessori Schüler erlangen. Da Montessori Schulen nur staatlich genehmigte (statt: anerkannte) Schulen sind, müssen die Abschlüsse an einer staatlichen Schule geleistet werden: der qualifizierte Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife, das Fachabitur und das Abitur. Da die vermittelten Lerninhalte auf einer Montessori Schule weitestgehend mit den allgemein vorgeschriebenen Lerninhalten übereinstimmen, entstehen dadurch keine Nachteile.


Was ist ein Montessori Abschluss?

Neben den staatlichen Schulabschlüssen gibt zusätzlich einen Montessori-Schulabschluss. In der 9. Klasse beginnt die Arbeit an der "Großen praktischen Abschlussarbeit" (GPA). Dafür suchen sich die Schüler selbst ein Thema, welches sie theoretisch und praktisch aufarbeiten. Zum Schluss wird das fertige Werk(stück) vor einem Publikum präsentiert. Sie erstellen eine Dokumentation über den Entwicklungsprozess und unterziehen sich einem Test, indem sie umfassende Fragen zu ihrem Prozessen beantworten müssen. Zum Abschluss erfolgen die Zertifikatübergabe und eine Veröffentlichung (Presse, Ausstellung) ihres Werkstücks.


Was sind die Unterschiede: Montessori und Regelschule?

Auf Montessori Schulen ...

  • sind die Klassen altersgemischt
  • gibt es keine Zifferbenotung
  • gibt es keinen Frontalunterricht
  • sind die Klassenräume wie gemütliche Zimmer eingerichtet
  • gibt es einen Wochenplan statt täglicher Hausaufgaben
  • richtet sich der Lehrplan nach den individuellen Entwicklungsphasen der Kinder
  • werden die Eltern stark mit eingebunden

Haben Montessori Schüler im Beruf später Nachteile?

Wenn sie den "falschen" Beruf wählen, kann das durchaus passieren. In Berufen, in denen eine feste Hierarchie und starre Strukturen vorherrschen, werden Montessori Schüler nicht gut klarkommen. Ansonsten, so zeigen es bisherige Erfahrungen, haben sie allein aufgrund ihrer Montessori-Ausbildung weder Nachteile bei der Jobsuche noch Nachteile in ihrem Beruf.


Was sind die Unterschiede: Montessori, Waldorf und Jenaplan

Alle drei alternativen Schulformen verzichten auf das Prinzip des Frontalunterrichts, auf die Bewertung mit Schulnoten und das Sitzenbleiben. Dafür unterstützen sie die Kinder in ihrer Entwicklung als Persönlichkeiten und als Teil einer Gesellschaft.

Jenaplan hat vier Bildungssäulen: Gespräch - Arbeit - Spiel - Feier
- Eine starke gemeinschaftliche Orientierung steht im Vordergrund. Die Schule als Lebensstätte.

Waldorfschulen verfahren nach einem dreigliedrigen System: Denken - Fühlen - Wollen
- Die Entwicklung praktischer, kreativer und sozialer Fähigkeiten steht im Vordergrund.

Die Montessori Schulen haben den Leitsatz: "Hilf mir, es selbst zu tun!"
- Selbstständiges Entscheiden und Handeln wird gefördert durch individuelles Lernen.


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