Warum Zeitschriften lesen für Kinder so wichtig ist

Im Interview mit Schule-und-Familie erklärt die Lesebeauftragte Nicole Schlotterbeck, wieso Kinder nicht nur in Büchern schmöckern, sondern auch Kinderzeitschriften lesen sollten.

Beim Thema Lesen und Leseförderung stehen meist Bücher im Fokus. Dabei gibt es viele gute Gründe, warum Kinder auch altersgemäße Zeitschriften lesen sollten.
Wir fragen nach bei Nicole Schlotterbeck, Lehrerin und Lesebeauftragte der Limesschule in Hanau:

Zeitschriften lesen

© Veja / shutterstock.com

Schule und Familie:  Frau Schlotterbeck, als Grundschullehrerin liegt Ihnen der Erwerb von Lesekompetenz ganz besonders am Herzen. Warum ist das Lesen so wichtig?

Nicole Schlotterbeck; Grundschullehrerin und LeseexpertinNicole Schlotterbeck: Lesen ist - gemeinsam mit der Sprache - eine wichtige Grundvoraussetzung, um sich im Leben und in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Das beginnt bei Straßenschildern und hört beim Ausfüllen von Anträgen noch lange nicht auf. Auch für den weiteren Wissenserwerb spielt Lesen eine große Rolle. Wer beispielsweise glaubt, für Mathematik bräuchte es keine große Lesekunst, wird an Textaufgaben zu knabbern haben. Lesen ist meiner Meinung nach die wichtigste Kompetenz, die in der Grundschule vermittelt wird.

Schule und Familie Haben Sie einen Tipp, der das Lesenlernen erleichtert?

Nicole Schlotterbeck: Das läuft oft über die Neugier. Neugier aufs Lesen können Sie wecken, indem Lesematerial im Umfeld integriert wird, also Lektüre zum Beispiel im Wohnumfeld zu finden ist und viel vorgelesen wird. Vorschulkindern kann man beim Vorlesen auch mal die Buchstaben zeigen oder den Namen des Kindes in bunten Buchstaben auf sein Spielzeug schreiben. Der eigene Name ist wichtig. Die Kinder erkennen ihn, wenn sie ihn oft genug sehen. Das ist dann sozusagen ein erster, unbewusster Wissenserwerb, rein über das Visuelle. Und schon mal ein erster Kontakt mit Buchstaben.

Schule und Familie: Woran scheitern Kinder oft?

Nicole Schlotterbeck: Die größte Schwierigkeit ist, eine flüssig gesprochene Verbindung von zwei oder mehr Buchstaben zu finden. Ist dieser Schritt erst mal überwunden, dann können Kinder alles lesen. Hier gilt vor allem: Üben, Üben, Üben! Und zwar regelmäßig. Dann reichen jeden Tag zehn Minuten gemeinsames Lesen. Das Kind soll nicht überfordert werden, denn dann verliert es die Freude. Am besten gehen Eltern gemeinsam mit den Kindern in die Bücherei oder den Buchladen und lassen den Nachwuchs selbst den Lesestoff auswählen.

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Schule und Familie: Haben Jungen beim Lesenlernen öfter Probleme als Mädchen?

Nicole Schlotterbeck: Nein, nicht unbedingt. Flüssiges Lesen zu erlernen liegt einfach am individuellen Fleiß. Aber den Spaß daran zu finden, das wird von den Eltern vermittelt – ihre Vorbild-Funktion ist sehr wichtig. Jungs lernen zwar in der Schule oft genauso schnell Lesen wie Mädchen, aber daheim gehört Schmökern seltener zu ihren Hobbys. Dafür lesen viele Buben gerne Sachbücher, Texte im Internet oder auch Zeitschriften. Gerade Kinder-Magazine regen übrigens viele sonst "lesefaule" Kinder zum Lesen an. 

Schule und Familie: Wieso eignen sich Zeitschriften so gut?

Nicole Schlotterbeck: Viele junge Leser fürchten sich vor Büchern. Sie betrachten ein Buch als Aufgabe, die bewältigt werden muss. Begeisterung am Lesen ist leichter mit kleinen Texthäppchen zu wecken. Und mit Bildern, die neugierig machen. Dabei sollte natürlich auch das individuelle Interesse eine Rolle spielen. Es darf dann je nach Alter auch ein Comic sein oder Magazine für Kinder wie Tierfreund oder Stafette, die neben Unterhaltung und Spiel auch Wissen vermitteln. Hauptsache, es wird mit Spaß und freiwillig gelesen. 

Schule und Familie: Vielen Dank für das Gespräch.

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