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Die heiligen drei Könige

Kaspar, Melchior und Balthasar

Aus fernen Landen kommen wir gezogen;
Nach Weisheit strebten wir seit langen Jahren,
Doch wandern wir in unsern Silberhaaren.
Ein schöner Stern ist vor uns hergeflogen.

Nun steht er winkend still am Himmelsbogen:
Den Fürsten Juda's muss dies Haus bewahren.
Was hast du, kleines Bethlehem, erfahren?
Dir ist der Herr vor allen hochgewogen.

Holdselig Kind, lass auf den Knie'n dich grüßen!
Womit die Sonne unsre Heimat segnet,
Das bringen wir, obschon geringe Gaben.

Gold, Weihrauch, Myrrhen, liegen dir zu Füßen;
Die Weisheit ist uns sichtbarlich begegnet,
Willst du uns nur mit Einem Blicke laben.

August Wilhelm Schlegel (1767-1845)

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Die Heiligen drei Könige Legende

Ein Kirchenfenster mit der Krippenszene

Einst als am Saum der Wüsten sich
auftat die Hand des Herrn
wie eine Frucht, die sommerlich
verkündet ihren Kern,

da war ein Wunder: Fern
erkannten und begrüßten sich
drei Könige und ein Stern.
Drei Könige von Unterwegs

und der Stern Überall,
die zogen alle (überlegs!)
so rechts ein Rex und links ein Rex
zu einem stillen Stall.

Was brachten die nicht alles mit
zum Stall von Bethlehem!
Weithin erklirrte jeder Schritt,
und der auf einem Rappen ritt,

saß samten und bequem.
Und der zu seiner Rechten ging,
der war ein goldner Mann,
und der zu seiner Linken fing

mit Schwung und Schwing
und Klang und Kling
aus einem runden Silberding,
das wiegend und in Ringen hing,

ganz blau zu rauchen an.
Da lachte der Stern Überall
so seltsam über sie,
und lief voraus und stand am Stall

und sagte zu Marie:
Da bring ich eine Wanderschaft
aus vieler Fremde her.
Drei Könige mit magenkraft,

von Gold und Topas schwer
und dunkel, tumb und heidenhaft,
erschrick mir nicht zu sehr.
Sie haben alle drei zuhaus

zwölf Töchter, keinen Sohn,
so bitten sie sich deinen aus
als Sonne ihres Himmelblaus
und Trost für ihren Thron.

Doch musst du nicht gleich glauben: bloß
ein Funkelfürst und Heidenscheich
sei deines Sohnes Los.
Bedenk, der Weg ist groß.

Sie wandern lange, Hirten gleich,
inzwischen fällt ihr reifes Reich
weiß Gott wem in den Schoß.
Und während hier, wie Westwind warm,

der Ochs ihr Ohr umschnaubt,
sind sie vielleicht schon alle arm
und so wie ohne Haupt.
Drum mach mit deinem Lächeln licht

die Wirrnis, die sie sind,
und wende du dein Angesicht
nach Aufgang und dein Kind;
dort liegt in blauen Linien,

was jeder dir verließ:
Smaragda und Rubinien
und die Tale von Türkis.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Drei Könige waren im Morgenland

Weihnachtskrippe

Drei Könige waren im Morgenland,
An denen der Herr Gefallen fand;
Sie sahen den himmlischen Morgenstern,
Sie zogen ihm nach, sie folgten ihm gern.

Sie kamen hinab nach Jerusalem:
"O sagt uns, wo glänzt sein Diadem?
O sagt, wo der König geboren ist?
Uns wies ein Stern zum heiligen Christ."

Sie fanden ihn nicht zu Jerusalem,
Sie fanden ihn im Stall zu Bethlehem.
Darüber das Sternlein stand,
Das sie geseh'n im Morgenland.

Sie waren so froh, sie gingen hinein:
Das muß das heilige Kindlein sein!
Der König ist's, es ist der Christ,
Der uns zum Heil geboren ist.

Da schenkten sie Weihrauch, Myrrhen und Gold
Dem Jesuskinde lieb und hold,
Die weisen drei Könige frommgesinnt,
Sie beteten an das heilige Kind.

Hermann Kletke (1813-1886)

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