Vereinsamt

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirrend Flugs zur Stadt: 
Bald wird es schnein.
Wohl dem, der jetzt noch
Heimat hat!
Nun stehst du starr, 
chaust rückwärts, ach!
wie lange schon! 
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn? 
Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt! 
Wer das verlor, 
Was du verlorst, macht nirgends halt. 

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht, 
Dem Rauche gleich, 
Der stets nach kältern Himmeln sucht. 
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! 
Versteck, du Narr, 
Dein blutend Herz in Eis und Hohn! 
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirrend Flugs zur Stadt: 
Bald wird es schnein,
Weh dem, der keine Heimat hat!

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Winter

Wenn sich das Laub auf Ebnen weit verloren,
So fällt das Weiß herunter auf die Tale,
Doch glänzend ist der Tag vom hohen Sonnenstrahle,
Es glänzt das Fest den Städten aus den Toren.

Es ist die Ruhe der Natur, des Feldes Schweigen
Ist wie des Menschen Geistigkeit, und höher zeigen
Die Unterschiede sich, dass sich zu hohem Bilde
Sich zeiget die Natur, statt mit des Frühlings Milde.

Friedrich Hölderlin (1770-1843)

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Stille Winterstraße

Es heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß. 

Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf, 
Wie ihn kein Maler malen darf, 
Wenn er's nicht etwas kann. 

Ich stapfe einsam durch den Schnee. 
Vielleicht steht links im Busch ein Reh 
Und denkt: Dort geht ein Mann. 

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Barbarazweige

Am Barbaratage holt' ich
Drei Zweiglein vom Kirschenbaum,
Die setzt' ich in eine Schale,
Drei Wünsche sprach ich im Traum:

Der erste, dass einer mich werbe,
Der zweite, dass er noch jung,
Der dritte, dass er auch habe
Des Geldes wohl genung.

Weihnachten vor der Mette
Zwei Stöcklein nur blühten zur Frist:
Ich weiß einen armen Gesellen,
Den nähm' ich, wie er ist.

Martin Greif (1839 - 1911)

Der Winter und die Spatzen

Sie zwitscherten und sangen,
Man hörte kaum sein Wort:
Der Winter ist gegangen
Und alles Leid ist fort!

Ei, wartet nur, ihr Spatzen!
Sollt mich schon wieder seh'n.
Das Zwitschern und das Schwatzen,
Das soll euch bald vergeh'n!

Da kam der Winter wieder,
Er brachte Kält' und Schnee;
Da gab es keine Lieder,
Kein fröhliches Juchhe.

Die Spatzen aber saßen
Vergnügt in Stall und Haus:
O Winter, lass das Spaßen!
Wir lachen dich doch aus.

So ist es auch ergangen:
Kaum war der Winter fort,
Die Spatzen fröhlich sangen,
Man hörte kaum sein Wort.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Die Enten laufen Schlittschuh

Die Enten laufen Schlittschuh 
auf ihrem kleinen Teich. 
Wo haben sie denn die Schlittschuh her
sie sind doch gar nicht reich?

Wo haben sie denn die Schlittschuh her?
Woher? Vom Schlittschuhschmied!
Der hat sie ihnen geschenkt,
weißt du, für ein Entenschnatterlied.

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Die Kinder im Schnee

Ein Winterabend still und kalt.
Drei Kinder wandern durch den Wald. 

Sie gingen schon oft den Weg allein. 
Heut flimmert der Mond mit irrem Schein. 

Der Pfad, der sonst so kurz nach Haus,
Heut mündet er nimmer zum Wald hinaus. 

Die kleinen Beinchen schreiten voran.
Da ragt empor der finstre Tann.
Sie finden im Schnee den Weg nicht mehr. 

Es weinen die Kleinsten, wohl irrten sie weit,
Kalt ist die Nacht, und Schlafenszeit! 

Sieh dort, unter Wurzeln ein trocknes Hohl, 
Da bettet das Schwesterchen Beide wohl. 

Trägt Moos und Laub zu ihrer Ruh 
Und deckt mit dem eignen Tüchlein sie zu. 

Die Nacht ist kalt, vom Mond erhellt,
Es funkeln die Sterne am Himmelszelt. 

Man sie gesucht mit Rufen und Schrein, 
Man hat sie gefunden beim Morgenschein. 

Die beiden Kleinen, sie schlafen fest, 
Aneinandergeschmiegt im warmen Nest. 

Den Arm gerafft voll Laub und Moos, 
So fand man die andere bewegungslos. 

So lag sie im Schnee - die Wangen rot, 
Die hatte geküsst der eisige Tod. 

Heinrich Seidel (1842-1906)

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